Pflanzenportrait Bingelkraut – Mercurialis annua / Mercurialis perennis

Der Frühling ist da und das Wetter ist traumhaft. Die Frühjahrskräuter schießen aus dem Boden. Man findet Veilchen, Löwenzahn und Bärlauch. Aber auch ein ganz unscheinbares kleines Kräutlein findet man jetzt überall.
Ich habe mir vorgenommen euch hin und wieder ein Pflanzenportrait einzustellen.

Die Wahl ist auf das „Bingelkraut“ gefallen!

Bei uns findet man zwei Gattungen davon. Das Einjährige Bingelkraut oder auch Garten-Bingelkraut genannt – Mercurialis annua und das ausdauernde Wald-Bingelkraut – Mercurialis perennis.

Bei der Namensherkunft ist man sich nicht ganz eins. Meist verbreitet ist die Theorie es könnte ein Kraut des Götterboten der Römer sein welches Merkur (Hermes) war. Wolf Dieter Storl beschreibt das Einjährige Bingelkraut in seinem Buch Wandernde Pflanzen wie folgt: „Das Einjährige Bingelkraut ist im Gegensatz zum Guten Heinrich als „böser Heinrich“ zu verstehen. Denn verzehrt man diese Pflanze ergeht es einem richtig schlecht. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gehen dann einher, wurde es früher doch tatsächlich für eine „innere Reinigung“ verwendet.

Beide Pflanzen der Wolfsmilchgewächse gelten als giftig und es wird heutzutage generell von einer inneren Einnahme abgeraten. Beide Pflanzen sind (nicht zwingend) zweihäusig, das bedeutet, dass wir hier eine männliche und eine weibliche Pflanze finden können.

Magische Geschichten gibt es natürlich auch, dachte Dioskurides, eine Einnahme der männlichen Pflanze würde die Geburt eines Buben begünstigen. Doch leider hat Dioskurides die Pflanzen noch dazu verwechselt.
Wegen seiner narkotischen Zutat war es auch ein Bestandteil der Flugsalbe.

Die Inhaltsstoffe beider Pflanzen sind ähnlich: Saponine, Bitterstoffe, Cyanglykoside, Flavonoide, Rutin, Hermidin, ätherische Öle

Im getrockneten Zustand verliert das Bingelkraut seine Giftigkeit.
Das getrocknete Kraut kann man ohne weiteres in ein Schlafkissen füllen. Wird die Pflanze getrocknet wird das trockene Kraut bläulich. Darum wurde sie früher auch zum Färben oder als Tinte verwendet. In der anthroposophischen Medizin wird das Bingelkraut bei Frauen Beschwerden eingesetzt.
Bingelkraut ist hilfreich bei Rheuma, Gicht, asthmatischen Beschwerden, Warzen, entzündeten und eitrigen Wunden, Verbrennungen, Hämorrhoiden sowohl auch bei Schwellungen.

Ich habe mir heuer einen Bingelkraut-Balsam gerührt. Für äußere Anwendungen ist dieser geeignet.

Anwendungen aus der Volksheilkunde ersetzen nie einen Gang zum Arzt.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL

Weitere Information zum Thema Kräuter gibt es immer in meinen Kursen/Vorträgen in Hard, Vorarlberg.

Beinwell – Salomonssiegel – Balsam

Den Echten Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) kennt man auch unter dem Namen wohlriechende Weißwurz oder Siegelwurz. Sie gehört zu der Familie der Asparagaceae.

Die bei uns heimische, bis zu 50 Zentimeter hoch werdende Art, zeigt ihre weiß-grünen hübschen Blüten von ca. April bis Juni. Zu finden ist der Echte Salomonssiegel in Mischwäldern und gelegentlich auch mal auf einer Wiese. Die Pflanze hat ein Kreuz und ist somit giftig. Die Beeren sollten nicht verzehrt werden! Es gibt bei uns drei Arten sie unterscheiden sich wie folgt:
– Echter Salomonssiegel oder wohlriechende Weißwurz Polygonatum odoratum: 1 -2 Blüten – im Herbst dann immer pro Blüte eine dunkle Beere.
– Vielblütige Weißwurz Polygonatum multiflorum: 3 bis 5 Blüten – im Herbst mehrere dunkle Beeren.
– Quirlständige Weißwurz – Polygonatum verticillatum: Blätter quirlständig – im Herbst rote Beeren.
In der Pflanzenheilkunde benutzt man vom Salomonssiegel den im Herbst gesammelten Wurzelstock. Der Wurzelstock ist geruchlos, die Blüten riechen angenehm aromatisch, der Geschmack der Pflanze ist aber eher bitter bis herb und kann Brechreiz auslösen.
Die Volksheilkunde sagt der Salomonssiegel wirkt abschwellend und hämolytisch.Der Salomonssiegel wird nur äußerlich angewendet. Aus dem Wurzelstock kann eine Tinktur oder ein Ölauszug erstellt werden. Daraus wird eine sensationell guter Sehnen- und Bänderbalsam gemacht, für die diese Pflanze auch bekannt ist. Sie wird auch Siegelsalbe genannt, das ist vielleicht manchen ein Begriff. 2489147563

Den Ölauszug kann man gleich wie bei Beinwell herstellen. Die gereinigte Wurzel klein schneiden. In Olivenöl erhitzen nicht kochen sondern nur simmern lassen. Dann 10-20 Tage im Öl ziehen lassen, abseihen in eine dunkle Flasche füllen und beschriften.

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Die Tinktur wird gleich wie jede andere gemacht. Das Rhizom klein schneiden. In ein Glas geben und mit 80% Alkohol aufgießen. 28 Tage ziehen lassen. Abseihen und in eine dunkle Flasche füllen und beschriften.

Mein Balsam habe ich wie folgt gemacht:

50ml Salomonssiegel-Öl
50ml Beinwell-Öl
20ml Johanniskraut-Öl
10g Kakaobutter
10g Bienenwachs (oder etwas mehr)
Einen Tropfen Tocopherol  (optional)
5 Tropfen ätherisches Myrrheöl

Öl mischen im Wasserbad mit erwärmen bis sich Kakaobutter und Bienenwachs gelöst haben. Kurz vor dem fest werden das ätherische Öl dazu geben. Abfüllen und beschriften.
Sie kann bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelschmerzen, Bänderdehnungen, Wunden und Rückenschmerzen eingesetzt werden.
Bänder und Knochen können mit diesem Balsam gut gepflegt werden.

© Marlies Schneider

Salomonsiegelsalbe (1)