Pflanzenportrait: Arten des Salomonssiegels

Salomonssiegel im Vergleich – Polygonaceae ©Marlies Schneider

Pflanzen Portrait:

Den Echten Salomonssiegel (Polygonatum odoratum früher auch officinale) kennt man auch unter dem Namen Wohlriechende Weißwurz oder Siegelwurz. Sie gehört zu der Familie der Asparagaceae – Spargelgewächse. Weitere Namen sind Schminkwurz, Springwurz oder Gemeine Weißwurz.

Die bei uns heimische, bis zu 60 Zentimeter hoch werdende Art, zeigt ihre weiß-grünen hübschen Blüten von ca. April bis Juni. Zu finden ist der Echte Salomonssiegel auf kalkreichen Böden mit guter Sonnenenstrahlung. Obwohl kalkliebend ist er bei uns doch leider sehr selten anzutreffen. Die Pflanze ist leicht giftig, besonders die Beeren dürfen nicht verzehrt werden! Ansonsten sind junge Sprossen in maßen essbar und auch die Wurzel wurde früher gegessen. Ausschlaggebend ist hier die Zubereitung welche nur in kleinen Mengen verwendet wurde und mehrfach ausgekocht wurde. Das Kochwasser wurde immer gewchselt. Sie gilt nach wie vor als Survivalnahrung. Diese sollte jedoch gut gewässert werden. Die Beeren könnten zu erbrechen führen. Alle drei folgenden Weißwurzarten wurden ähnlich verwendet.

Es gibt bei uns drei Arten, sie unterscheiden sich wie folgt:

Echtes Salomonssiegel oder Wohlriechende Weißwurz – Polygonatum odoratum: Es ist 1 Blüte pro Achse vorhanden welche duftet. Manchmal sind es zwei Blüten. Die Blüten Krone ist glockig. Im Herbst bildet sich immer pro Blüte eine dunkle Beere und der Stängel ist kantig. Sie erreicht eine Höhe zwischen 15-60 cm. Bei uns in Vorarlberg ist sie selten zu finden. Aber die Pflanze ist sehr wohl da. Sie wächst gerne auf Kalk und eher lockeren sandigen, steinigen Boden. Man findet sie bei uns mitten im Klettersteig. Sie ist definitv nicht im Halbschatten anzutreffen sondern exponiert an der Sonne.

Echtes Salomonssiegel – Polygonatum multiflorum ©Marlies Schneider

Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum): 3 bis 5 Blüten in Trauben angeordnet. Die Blüte ist geruchlos und steht wie ein Glöckchen offen. Die Laubblätter sind bläulich-grün und matt . Im Herbst erscheinen mehrere dunkle Beeren. Der Stiel der Pflanze ist rund. Sie ist etwas höher im Wuchs als Polygonatum odoratum, denn sie kann bis zu 80 cm erreichen. Ihr sagt man auch im Volksmund Vielblütiges Salomonssiegel. Diese Art ist in Vorarlberg weit verbreitet und findet sich in Mischwälder oder Auwälder wieder. Sie bevorzugt Halbschatten und feuchte aber keine nassen Plätze.

Vielblütige Weißwurz oder Salomonssiegel – Polygonatum multiflorum ©Marlies Schneider

Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum): Blätter sind quirlständig. Im Herbst erscheinen erst rote Beeren welche später schwarz-blau werden. Es sind 3-7 quirlständige Laubblätter vorhanden. Die Blüten stehen meist Traubig und fast nie einzeln. Zudem ist die Blüte geruchlos. Diese Art kann durchaus bis zu 80 cm hoch werden. Bei uns in Vorarlberg kommt sie in höheren Lagen zahlreich vor. Das Rhizom ist ähnlich wie bei den anderen Arten jedoch viel kleiner. Diese Art wird heute nicht wirklich in der Volksheilkunde verwendet. Allerdings wurde sie laut überlieferten Aufzeichnung gleich oder ähnlich angewendet. Diese Art finden wir in Vorarlberg sehr oft in höheren Lagen. Auf bis 2000 m und an Böschungen. Allerdings kann man sie im Mischwald genauso antreffen. Es können zum Teil große Bestände vorhanden sein.

Quirlblättriger Salomonssiegel – Polygonatum verticillatum ©Marlies Schneider

Es gibt noch viele weitere Weißwurzarten. Die bei uns nur als Gartenstauden zu kaufen sind. Aber die oben genannten findet man wildwachsend. Alle Weißwurzarten weisen laut Mathew Wood ähnliche Eigenschaften auf.

Interessantes

Polygonatum bezieht sich auf viele Knoten. Jedes Jahr bildet die Pflanze einen neuen Knoten. Stirbt der Stängel der Pflanze im Herbst ab, hinterlässt er ein Siegel beim Rhizom. Anhand dieser Knoten kann man das Alter dieser bestimmen.

Der Pflanzenname bezieht sich auf König Salomon, da er unter anderem mit Magie in Verbindung gebracht wurde. Die Siegel der Pflanze erinnern an Sigillen. Diese Sigillen nutzten Magier, um mit Geistern in Kontakt zu treten. Sie dienten dazu, Geister zu beschwören.

In der Geschichte hatte die Weißwurz keine große Bedeutung. Erst viel später kamen die positiven Eigenschaften ans Licht. Erst 1597 machte Gerard in seinem „Herball“ auf die Pflanze aufmerksam. Zuvor wurde sie schon bei Dioskurides erwähnt und Galen meinte sie wäre giftig. Was für ein Irrtum.

Diese drei genannten Arten kann man in Vorarlberg finden. Wobei Odoratum selten zu finden ist und Verticillatum in großen Beständen vorkommen kann.

Bezug von Salomonssiegel Rhizom:
Wer die getrocknete Wurzel im Onlinehandel beziehen möchte, sucht am besten unter Yu Zhu. Ansonsten lässt sie sich sehr gut im Garten kultivieren. In den Apotheken kann die Droge radix nicht erworben werden. Allerdings ist sie in Deutschland erhältlich.

Tipp im Garten kultivieren ist am einfachsten. So hat man immer eine schöne Staude und genug Rhizome die man ernten kann. Ich habe meine Pflanzen bei Serastro Stauden (AT) bestellt. Aber ich meine bei der Staudengärtnerei Gaissmayer (D) müsste man sie auch bekommen. Einfach googeln oder beim Gärtner nachfragen. Du solltest nur beachten, dass beide Arten einen unterschiedlichen Boden benötigen. Dann ist der Erfolg im Garten gewiss.

Volkswissen

Der Pflanze wird zugeschrieben, dass sie lockere Bänder oder Sehnen festigen oder im Gegenteil auch lockern kann. Sie reguliert somit den Spannungszustand des Bindegewebes. Da Salomonssiegel auch das Knochenwachstum fördert, nach einem Knochenbruch, ist es äußerst ideal als Salbe in Kombination mit Beinwell. Ist doch das Allantoin aus dem Beinwell nicht öllöslich.


Die Volksheilkunde sagt der Salomonssiegel wirkt abschwellend und hämolytisch. Der Salomonssiegel wird in unseren Breiten fast nur äußerlich angewendet. Aus dem Wurzelstock kann eine Tinktur oder ein Ölauszug hergestellt werden. Daraus wird ein sensationell guter Sehnen- und Bänderbalsam (oder Creme) gemacht, weswegen diese Pflanze auch bekannt ist. Unter Siegelsalbe ist diese vielleicht manchen ein Begriff.

Wissenschaft
Bei Frauen ist Brustkrebs leider der häufigste Tumortyp und die zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Der TCM hat einen hohen Stellenwert bei Antitumormitteln. So wurde auch Polygonatum odoratum auf seine Wirkung auf Krebszellen untersucht. Der Extrakt verhinderte das Wachstum der MDA-MB-231-Zellen in Abhängigkeit von der Dosis – je höher die Dosis, desto stärker die Wirkung.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Extrakt von Polygonatum odoratum möglicherweise bei der Brustkrebsbehandlung von Nutzen sein könnte. (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5038215)

Eine Studie zeigte vielversprechende Hinweise darauf, dass verarbeitetes Polygonatum multiflorum bei Knochenerkrankungen helfen könnte. Für die Entwicklung neuer Medikamente sind jedoch weitere präklinische und klinische Studien nötig. (pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7196996)

Giftigkeit:
Es konnten bei diesen Arten keine herzwirksamen Glycoside nachgewiesen werden. Für die Unverträglichkeiten gelten Stereoidsaponine, welche zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können.
Die Beeren gelten bei allen drei Arten als giftig.

Rezept Vitalbalsam

Rezept Räucherkegel

Rezept Tinktur und Öl-Auszug

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.


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