Dryas octopetala Inhaltsstoffe im Überblick
Die Dryas octopetala Inhaltsstoffe wurden bisher deutlich seltener untersucht als jene vieler bekannter Heilpflanzen. Dennoch zeigen phytochemische Analysen, dass die Weiße Silberwurz eine interessante Zusammensetzung aus Flavonoiden, Gerbstoffen und weiteren phenolischen Verbindungen besitzt. Die wissenschaftlichen Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf die Blätter der Pflanze. Dort konnten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe nachgewiesen werden, die auch in anderen Rosengewächsen vorkommen.
Obwohl Dryas octopetala heute kaum noch in der Phytotherapie verwendet wird (wurde sie überhaupt verwendet?), liefert die Forschung wertvolle Hinweise auf ihre traditionelle Nutzung und ihre mögliche Bedeutung innerhalb der Volksheilkunde.
1. Flavonoide gehören zu den wichtigsten Dryas octopetala Inhaltsstoffen
Die bisher bekanntesten Dryas octopetala Inhaltsstoffe sind verschiedene Flavonoide. Bereits in den 1970er-Jahren konnten mehrere Vertreter dieser Stoffgruppe isoliert werden. Dazu gehören unter anderem:
- Quercetin
- Kaempferol
- Isorhamnetin
- Gossypetin
- Limocitrin
- Sexangularetin
- Corniculatusin
Flavonoide dienen Pflanzen unter anderem als Schutz vor UV-Strahlung und oxidativem Stress. Da die Silberwurz überwiegend oberhalb der Baumgrenze wächst, ist ein hoher Gehalt solcher Schutzstoffe nicht überraschend.
Besonders bemerkenswert sind die seltenen Flavonoide Sexangularetin und Corniculatusin. Sie wurden bislang nur bei wenigen Pflanzenarten nachgewiesen und scheinen innerhalb der Gattung Dryas häufiger vorzukommen.
2. Gerbstoffe erklären die traditionelle Verwendung
Neben Flavonoiden enthalten die Blätter verschiedene Gerbstoffe. Diese gehören zu den klassischen Inhaltsstoffen vieler Rosengewächse.
Gerbstoffreiche Pflanzen wurden traditionell häufig verwendet:
- als Gurgelmittel
- für Mundspülungen
- bei Magenbeschwerden
- bei leichtem Durchfall
Mehrere historische Quellen beschreiben die Silberwurz als zusammenziehendes oder adstringierendes Kraut.
Die traditionelle Anwendung passt damit gut zu den nachgewiesenen Inhaltsstoffen.
3. Procyanidine wurden ebenfalls nachgewiesen
Zu den wissenschaftlich belegten Silberwurz Inhaltsstoffen zählen außerdem Procyanidine und Propelargonidine.
Diese Verbindungen gehören zur Gruppe der kondensierten Gerbstoffe. Sie kommen beispielsweise auch in:
- Schlehen
- Weißdorn
- Traubenkernen
- Heidelbeeren
vor.
Procyanidine zählen zu den am häufigsten untersuchten Pflanzenpolyphenolen. Für Dryas octopetala selbst liegen jedoch bislang kaum pharmakologische Untersuchungen vor.
4. Die verwandte Dryas oxyodonta zeigt erstaunliche Parallelen
Besonders interessant ist der Vergleich mit der asiatischen Art Dryas oxyodonta.
Eine moderne Untersuchung aus dem Jahr 2024 identifizierte mehr als vierzig verschiedene Inhaltsstoffe. Nachgewiesen wurden:
- Catechine
- Procyanidine
- Gallotannine
- Hydroxyzimtsäuren
- Flavonoide
- Triterpensäuren
Mehrere dieser Stoffgruppen überschneiden sich mit den bekannten Dryas octopetala Inhaltsstoffen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Arten der Gattung Dryas ein ähnliches phytochemisches Grundmuster besitzen. Vor allem die Kombination aus Flavonoiden und Gerbstoffen scheint typisch zu sein.
5. Gibt es einen Zusammenhang mit der Schlaganfall-Vorbeugung?
Der österreichische Ethnobotaniker Michael Machatschek erwähnt eine volksmedizinische Verwendung der Silberwurz zur Vorbeugung von Schlaganfällen. Dabei handelt es sich um Berichte vom Volk, welche ihm zugetragen wurden.
Eine historische Primärquelle zu dieser Anwendung konnte bisher jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Ich konnte dazu generell nichts finden.
Dennoch stellt sich die Frage, da die Volksheilkunde eine Erfahrungsheilkunde ist, ob die Beobachtung somit mit den enthaltenen Flavonoiden zusammenhängen könnte. Diese Frage habe ich mir daher gestellt. Denn anders kann ich mir das nicht erklären.
Besonders Quercetin gehört heute zu den intensiv erforschten Pflanzenstoffen. In wissenschaftlichen Studien wird untersucht, welchen Einfluss Quercetin auf Entzündungsprozesse, oxidativen Stress und die Gefäßgesundheit haben kann. Daraus lässt sich jedoch keine medizinische Wirkung der Silberwurz ableiten.
Aktuell existieren keine klinischen Studien, die eine vorbeugende Wirkung von Dryas octopetala bei Schlaganfällen belegen würden.
Die Erwähnung in der Volksmedizin ist zwar dokumentiert, eine wissenschaftliche Bestätigung liegt bislang nicht vor. Ich konnte auch in keinem meiner Bücher weitere Informationen dazu finden.
6. Die Silberwurz als Tee und Volksheilpflanze
Die Silberwurz Verwendung war regional sehr unterschiedlich.
Aus verschiedenen Quellen sind Anwendungen als Tee bekannt.²
Dabei wurden vor allem die Blätter genutzt.
Überliefert sind:
- Tee bei Verdauungsbeschwerden
- Tee als allgemeines Stärkungsmittel
- Mundspülungen
- Gurgellösungen
Im Vergleich zu bekannten Alpenpflanzen wie Arnika, Meisterwurz oder Enzian spielte die Silberwurz jedoch nur eine untergeordnete Rolle.
Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sie meist in hochalpinen Regionen wächst und daher weniger leicht zugänglich war.
7. Warum die Forschung die Weiße Silberwurz interessant findet
Die moderne Forschung beschäftigt sich zunehmend mit Pflanzen aus extremen Lebensräumen.
Dryas octopetala wächst:
- auf kalkreichen Böden
- in alpinen Höhenlagen
- bei starker UV-Strahlung
- unter langen Frostperioden
Pflanzen entwickeln unter solchen Bedingungen oft spezielle Schutzstoffe. Genau deshalb interessieren sich Forscher für die Weiße Silberwurz Inhaltsstoffe.
Während die traditionelle Nutzung heute kaum noch bekannt ist, liefert die phytochemische Forschung neue Erkenntnisse über diese charakteristische Pflanze der Kalkalpen.
Welche Dryas octopetala Inhaltsstoffe sind derzeit belegt?
Nach aktuellem Forschungsstand gelten folgende Stoffgruppen als nachgewiesen:
- Flavonoide
- Procyanidine
- Propelargonidine
- Gerbstoffe
- verschiedene phenolische Verbindungen
Besonders häufig werden Quercetin, Kaempferol und Isorhamnetin genannt. Diese Stoffe prägen das heutige Wissen über die Dryas octopetala Inhaltsstoffe.
Eine fast vergessene Alpenpflanze
Die Weiße Silberwurz gehört zu den bekanntesten Pflanzen der alpinen Kalkrasen. Ihre Inhaltsstoffe wurden zwar deutlich seltener untersucht als jene vieler klassischer Heilpflanzen, dennoch zeigen die bisherigen Analysen ein interessantes Spektrum an Flavonoiden und Gerbstoffen.
Historische Anwendungen als Tee, Magenmittel oder Gurgellösung sind überliefert. Die von Michael Machatschek erwähnte Verwendung zur Vorbeugung von Schlaganfällen bleibt dagegen bislang eine ethnobotanische Beobachtung, die wissenschaftlich noch nicht belegt wurde.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse und Kräuterwanderungen in Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffen treffe, basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder Ähnliches, diese basieren auf Erfahrungswerten der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn, du meine Rezepte nachmachst, dann auf Eigenverantwortung.
Quellen
- K. R. Markham, T. J. Mabry: The flavonoids of Dryas octopetala, Phytochemistry 13 (1974), S. 2557–2560.
- Practical Plants Database: Dryas octopetala, traditionelle Anwendungen und ethnobotanische Hinweise.
- T. A. Aksenova et al. (2024): Phytochemical profile and antioxidant activity of Dryas oxyodonta, Molecules 29(6), 2024. PMID: 38542085.
- https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0031942274851071
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