1. Botanische Einordnung und Artenvielfalt
Die Gattung Euphrasia umfasst über 350 Arten weltweit, mit einem Schwerpunkt in Europa und Asien. Euphrasia officinalis, auch als Gemeiner Augentrost bekannt, ist eine der bekanntesten Arten dieser Gattung. Weitere Arten wie Euphrasia minima (Zwerg-Augentrost) unterscheiden sich in Größe, Blütenfarbe und Wuchsform.

2. Erscheinungsbild und Wuchsform
Euphrasia officinalis erreicht eine Höhe von 10 bis 30 cm und zeichnet sich durch einen aufrechten, verzweigten Stängel aus. Die gegenständigen, eiförmigen Blätter sind gezähnt. Die Blüten sind weiß oder leicht violett mit violetten Streifen und einem markanten gelben Fleck, der an ein Auge erinnert.
Im Vergleich dazu ist Euphrasia minima deutlich kleiner (2 bis 10 cm), meist unverzweigt und besitzt kürzere, weniger auffällige Blüten. Euphrasia rostkoviana hingegen hat größere Blüten und ist in allen Pflanzenteilen drüsig behaart.
3. Verbreitung und Standort
Euphrasia officinalis ist in Europa weit verbreitet und bevorzugt frische, nährstoffarme Wiesen, Weiden und Magerrasen. Sie wächst in Höhenlagen bis zu 2.400 m. Euphrasia minima ist in den Alpen und den europäischen Gebirgen von den Pyrenäen bis zum Balkan heimisch. Euphrasia stricta kommt in höheren Lagen der Alpen vor.

4. Blütezeit und Fortpflanzung
Die Blütezeit von Euphrasia officinalis erstreckt sich von Mai bis Oktober, wobei die Pflanze im Juli bis September am häufigsten blüht. Euphrasia minima blüht von Juli bis September. Alle Arten sind einjährige Pflanzen, die sich durch Samen fortpflanzen.
5. Ökologische Bedeutung
Alle Euphrasia-Arten sind Halbschmarotzer, die Nährstoffe von anderen Pflanzen aufnehmen, aber auch selbst Photosynthese betreiben. Sie tragen zur Biodiversität in ihren Lebensräumen bei und sind Indikatoren für gesunde, wenig gestörte Ökosysteme.
6. Historische und mystische Bedeutung
Bereits im Mittelalter wurde Euphrasia officinalis als Heilpflanze verwendet. Der Name „Augentrost“ deutet auf seine Anwendung bei Augenbeschwerden hin. In der Volksmedizin galt die Pflanze als Mittel gegen „böse Blicke“ und wurde in Zaubertränken verwendet.
In der Antike glaubte man, dass Euphrasia die Fähigkeit besaß, das „dritte Auge“ zu öffnen und spirituelle Wahrnehmungen zu fördern. Diese mystischen Zuschreibungen machten die Pflanze zu einem Symbol für Weisheit und Erkenntnis.
7. Vergleichstabelle der Euphrasia-Arten
| Art | Höhe (cm) | Wuchs-form | Blüten-farbe | Vor-kommen | Besonder-heiten | Feld-merkmale / Unter-scheidung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Euphrasia officinalis | 10–30 | Aufrecht, verzweigt | Weiß bis violett mit gelbem Fleck | Europa, Mager-rasen, Wiesen, bis 2400 m | Größte Blüten, häufigste Art in Mittel-europa | Relativ groß, kräftige Pflanze, auffällige Blüten mit gelbem Fleck – „typischer Augentrost“ |
| Euphrasia minima | 2–10 | Meist un-verzweigt | Weiß mit gelbem Fleck | Hochalpine Regionen, Pyrenäen bis Balkan | Zwergart, kurze Blüten | Sehr klein, fast un-scheinbar, kaum Verzweig-ungen – wächst oft dicht am Boden |
| Euphrasia pectinata | 5–20 | Aufrecht, buschig | Weiß mit violetten Streifen | Mittel-europa, trockene Wiesen | Blätter stark gezähnt, auffällige Zeichnung | Leicht an den stark fiederartig gezähnten Blättern zu erkennen („Kammform“) |
| Euphrasia hirtella | 10–25 | Aufrecht, drüsig behaart | Weiß bis violett | Alpen und Voralpen | Dichte Drüsen-haare, oft klebrig-aromatisch | Wenn man die Pflanze anfasst: deutlich behaart, klebrig, fein aromatischer Geruch |
| Euphrasia salisburg-ensis | 8–20 | Aufrecht, verzweigt | Weiß bis violett | Salzburg und angrenzende Gebiete | Seltene, standort- treue Endemitenart | Oft in Salzburg-Almen, nur lokal begrenzt – wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist der Standort |
| Euphrasia alpina | 5–15 | Klein, kompakt | Weiß bis violett | Hochalpine Regionen der Alpen | Robust, an Kälte angepasst | Kompakter Wuchs, eher „ge-drungene“ Pflanze, typisch in Höhen-lagen über 1800 m |

Dieser Beitrag bietet einen umfassenden Überblick über Euphrasia officinalis und verwandte Arten. Für detaillierte Informationen zur historischen Verwendung, mystischen Bedeutungen und wissenschaftlichen Studien zu den Heilwirkungen von Euphrasia empfiehlt es sich, spezialisierte Literatur oder wissenschaftliche Datenbanken zu konsultieren.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
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