Kaum eine Pflanze ist so bekannt – und zugleich so unterschätzt – wie der Löwenzahn. Im Frühling verzaubert er mit seinen leuchtend gelben Blüten ganze Wiesen. Das ist der perfekte Zeitpunkt, um ihn zu sammeln und zu verarbeiten. Denn der Löwenzahn ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein wahres Kraftpaket an wertvollen Inhaltsstoffen.
Alle Teile der Pflanze können auf vielfältige Weise genutzt werden. Das gilt von der Wurzel über die Blätter bis zur Blüte. Die jungen, zarten Blätter sind perfekt für Frühlingssalate oder als grüne Zutat im Smoothie. Die sonnigen Blüten können zu einem aromatischen Sirup, einer duftenden Gelee oder gar zu einem feinen Löwenzahn-Honig verarbeitet werden. Und selbst die Wurzel wird oft übersehen. Doch sie hat es in sich. Die Wurzel kann geröstet als koffeinfreier Kaffeeersatz oder als Tinktur für Leber und Galle verwendet werden.
Bei der Verarbeitung sollte man möglichst frische, saubere Pflanzen aus naturbelassenen Gegenden sammeln – fernab von Straßen und gespritzten Wiesen. Mit etwas Liebe kann man aus dem „Unkraut“ eine kleine Hausapotheke zaubern. Mit Achtsamkeit wird daraus ein kulinarischer Schatz im Handumdrehen.
Wer einmal begonnen hat, den Löwenzahn in all seinen Facetten zu entdecken, wird ihn nie mehr nur als lästigen Wiesenbewohner sehen. Stattdessen wird man ihn als treuen Begleiter durchs Kräuterjahr betrachten.
Bei mir darf er jedes Jahr im Garten etwas wuchern. So habe ich immer ein paar Wurzeln die ich ausgraben kann. Genug Blüten zum Ernten und Blätter für Salat oder zum Entsaften.
Ab wann hat die Wurzel am meisten Potenzial?
Die Wurzel wird nicht vor dem zweiten Jahr ausgegraben! Erst dann hat sie ausreichend Wirkstoffe und ist eine starke Droge.
Milder Abführtee mit Wirkung:
Darmprobleme wie hartnäckige Verstopfung:
Kräuter helfen sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall, indem sie die normale Darmfunktion sanft wiederherstellen. Verstopfung ist oft die Folge eines unzureichenden Verzehrs von Obst, Gemüse und Balaststoffen. Durchfall wird in der Regel durch eine Darminfektion oder -Entzündung, z. B. eine Lebensmittelvergiftung, verursacht. Beim Reizdarmsyndrom wechseln sich Verstopfung und Durchfall ab, und spastische Verstopfung ist die Folge von Spannungen und Muskelkrämpfen im Dickdarm.
| Kräuter Löwenzahnwurzel, Süßholz und Krauser Ampfer sind milde Abführmittel. | |
| 5 g Löwenzahn Wurzel (Taraxacum officinale) 5 g Krauser Ampfer Wurzel (Rumex crispus) 2,5 g Süßholz Wurzel (Glycyrrhiza glabra) 750 ml Wasser | Bereite aus der Mischung ein Dekokt zu. Davon wird täglich ca. eine Tasse mit 250 ml getrunken. |
Rezeptideen
- Löwenzahn-Salat: Frische junge Blätter mit etwas Zitronensaft, Olivenöl und Salz anmachen. Wer es gerne herzhaft mag, kann auch etwas Speck oder Nüsse hinzufügen. Ich gebe Löwenzahnblätter prinzipiell in meinen „Unkrautsalat“.
- Löwenzahn-Kaffee: Getrocknete Wurzeln des Löwenzahns können gemahlen und als Ersatz für Kaffee verwendet werden. Der „Kaffee“ hat einen leicht bitteren Geschmack und ist koffeinfrei. Die Farbe ist genauso dunkel wie bei echtem Kaffee. Nur der „Kick“ bleibt aus, da kein Koffein enthalten ist.
- Löwenzahn-Tinktur: Die frischen Wurzeln oder Blätter in Alkohol einlegen und nach etwa 3-4 Wochen abseihen. Diese Tinktur kann bei Verdauungsproblemen oder als Lebertonikum verwendet werden.
- Löwenzahn-Blütengelee/Honig: Die Blüten in Zucker und Zitronensaft kochen. Zu einem Honig verarbeiten. Dies ist eine leckere Möglichkeit, die Blüten zu konservieren.
Rezept : Löwenzahn Glycerite
Ein Glycerite ist im Grunde ein Glycerinauszug welcher sich hervorragend als Wirkstoff für kosmetische Zwecke eignet.

In Rezepten in deren Angaben die Zugabe von Glycerin angegeben ist, kann durch ein Glycerite ersetzt werden.
| Zutaten: | Zubereitung: |
| 100 ml Glycerin 50 g getrocknete Löwenzahnwurzel, zerkleinert aber nicht zu ganz feinem Pulver Sonst ist das Abfiltern sehr mühsam. | Im Stövchen wie ein Ölauszug bei maximal 60 °C für ca. 8 Stunden ausziehen. Auch diese Ausziehzeit kann man auf drei Tage aufteilen. Wenn du am ersten Tag die 60 °C erreichst nimmst du das Glycerite von der Hitzequelle. Die Wurzel wird einfach ziehen gelassen. Am nächsten Tag wiederholst du den Vorgang und am dritten Tag wieder. Insgesamt solltest du auf ca. 8 Stunden kommen. Du kannst nun das Glycerite auskühlen lassen und in ein Schraubglas geben, die Wurzel mit dazu. |
| Beachte: für Kosmetik kannst du auch ein Glycerite mit Blüten ansetzten. | Nun lässt dieses für ca. 10 Tage stehen und schüttelst täglich. Nach dieser Zeit, abfiltern und in eine dunkle Flasche füllen. |
Dieses Glycerite kann man als Kosmetikwirkstoff verwenden oder als Tinktur für die innere Einnahme, wenn kein Alkohol gewünscht ist.
Für eine innere Einnahme benötigst du ca. die doppelte Menge als bei einer alkoholischen Tinktur.
Rezept: Löwenzahntinktur für Leber & Galle

Eine bewährte Tinktur aus Wurzel und Blättern zur Unterstützung der Verdauung und zum Entgiften.
| Zutaten: | Zubereitung: |
| 20 g Frische Löwenzahnwurzeln und optional auch ein paar Blätter (gewaschen & zerkleinert) (Ich habe die Blätter und Wurzeln entsaftet und den Saft samt dem Trester zum Ansetzen verwendet.) 60 g Alkohol 80% | Die Pflanzenteile in ein Glas geben und mit Alkohol bedecken. 3–4 Wochen an einem dunklen, warmen Ort ziehen lassen, regelmäßig schütteln. Danach abseihen, anschließend auf ca. 50 % Alkoholstärke runter mischen und in Braunglasfläschchen füllen. Ich verwende am liebsten Tropferflaschen für Tinkturen |
👉 Einnahme: 2–3-mal täglich 30 Tropfen mit etwas Wasser oder direkt unter die Zunge einnehmen.
Rezept: Löwenzahn-Oxymel – Frühlingskraft im Glas
Ein Oxymel (Sauerhonig) ist ein altes Heilmittel aus Honig, Essig und Kräutern. Es ist ideal zur Immunstärkung. Es dient zur Entgiftung und zur Förderung der Verdauung. Löwenzahn bringt hier seine reinigende, leberstärkende Kraft mit.
| Zutaten: | Zubereitung: |
| 1 Teil frische Löwenzahnblüten, -blätter sowie Wurzeln 3 Teile Apfelessig (naturtrüb, bio) 3 Teile Honig | Alle Zutaten in ein Schraubglas geben, gut umrühren und 2–3 Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen. Täglich schütteln. Danach abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. |
👉 Einnahme: 1 EL pur oder in Wasser eingerührt, morgens auf nüchternen Magen oder vor dem Essen.
☕ Rezept: Löwenzahnwurzel-Kaffee – Koffeinfrei & voller Bitterstoffe
Die geröstete Löwenzahnwurzel ergibt ein kräftig-herbes Getränk, das an Kaffee erinnert und dabei die Verdauung fördert.
Zutaten:
- Frische Löwenzahnwurzeln
Zubereitung:
Wurzeln gut waschen und klein schneiden. Rösten Sie sie im Backrohr oder in der Pfanne, bis sie dunkelbraun sind und aromatisch duften. Abkühlen lassen, dann fein mahlen.
👉 Zubereitung wie Kaffee: 1 TL mit heißem Wasser übergießen, ca. 5 Minuten ziehen lassen, abseihen – fertig! Du kannst den Kaffee zubereiten wie ein klassischer Filterkaffee.
Magisches & Volksheilkundliches rund um den Löwenzahn
- Wunschblume & Orakelpflanze: Wer als Kind Löwenzahnsamen gepustet hat, kennt den alten Brauch: „Wünsch dir was – und puste!“ Wenn alle Schirmchen fliegen, geht der Wunsch in Erfüllung.
- Verbindung zum Licht: Der Löwenzahn gilt als Sonnenpflanze, die das Licht in sich trägt. Er steht für Vitalität, Tatkraft und Erneuerung.
- Volksmedizin: In der traditionellen Heilkunde wurde Löwenzahn als „Kuhblume“ oder „Bettseicher“ bekannt – letzteres wegen seiner harntreibenden Wirkung.
- Rituale: Ein Blütenkranz aus Löwenzahn sollte vor negativen Energien schützen. Seine Wurzel wurde manchmal getrocknet und in Amuletten getragen, um Mut und Durchsetzungskraft zu stärken.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.