Wie wir schon gehört haben, enthält Augentrost (Euphrasia officinalis) zahlreiche bioaktive Inhaltsstoffe wie Iridoidglykoside (z.B. Aucubin), Flavonoide (Apigenin, Quercetin u.a.), Tannine sowie ätherische Öle und Bitterstoffe. Nach Analysen enthält das Kraut zudem nennenswerte Mengen an Vitamin C und β-Carotin (jeweils etwa 10–70 mg pro kg Trockenmasse) sowie Mineralien wie Calcium (ca. 1,8–11,5 g/kg) und Spuren von Chrom. Diese Nährstoffe und sekundären Pflanzenstoffe erklären zum Teil die bekannten entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften des Extrakts.

Traditionelle Verwendung und Geschichte
Augentrost blickt auf eine lange volksheilkundliche Tradition zurück. Schon in der Signaturenlehre der Renaissance wurde sein Aussehen mit Augengesundheit in Verbindung gebracht. Der berühmte Kräuterbuchautor Nicholas Culpeper empfahl Euphrasia im 17. Jahrhundert als Mittel für Augenleiden und „stärkt dabei das schwache Gehirn“. Tatsächlich heißt es bei Culpeper, Augentrost rette das Augenlicht und „stärkt das schwache Gehirn oder Gedächtnis“ (frei übersetzt). In früherer Zeit trank man Augentrost nicht nur als Tee: In der elisabethanischen Ära war sogar ein „Augentrost-Ale“ (Eyebright Ale) ein beliebtes Getränk, dem man stimmungsaufhellende Wirkungen zuschrieb. Bis heute wird Euphrasia – meist als Tinktur oder Fertigpräparat – bei akuten Bindehautentzündungen, Heuschnupfen und verspannten Augen eingesetzt. Traditionell sollen Augentrost-Aufgüsse und Kompressen Rötungen lindern, Schwellungen hemmen und Schmerzen mildern.
Anwendung in der Hautpflege
Moderne Kosmetik nutzt Euphrasia-Extrakt vor allem wegen seiner hautberuhigenden Wirkung. Der Wirkstoff wird als feuchtigkeitsspendend und antioxidativ beschrieben – daher findet er sich häufig in Anti-Aging- und Pflegepräparaten für empfindliche Haut. Euphrasia-Extrakt soll die Hautbarriere stärken und gereizte, gerötete Hautpartien besänftigen. Auch Weleda weist darauf hin, dass Euphrasia-Auszüge adstringierend wirken und Entzündungen hemmen. In klinischen Untersuchungen zeigte sich z.B., dass Euphrasia-Augentropfen die Reizung tränender, geröteter Augen schnell lindern können. Die Kosmetikindustrie listet Euphrasia officinalis oft als „hautberuhigend, entzündungshemmend und hautpflegend“.
Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl Euphrasia officinalis als Arzneipflanze gilt, gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen. Bei äußerlicher Anwendung kann es in seltenen Fällen zu lokaler Augenreizung kommen (z.B. verstärkte Rötung, Brennen, Jucken). Allergische Hautreaktionen (Rötung, Ausschlag, Schwellungen) sind möglich, insbesondere bei empfindlichen Personen oder Allergie gegen Pflanzen der Familie Orobanchaceae. Wird Augentrost eingenommen, können gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall auftreten. Auch Kopfschmerzen wurden vereinzelt berichtet. Da die Pflanze unbekannte Alkaloide enthält, raten Fachleute zu Zurückhaltung: Überdosierung oder Langzeitanwendung sollten vermieden werden. Für selbst angesetzte Augenspülungen (z.B. Aufgüsse) gilt besondere Vorsicht: Ohne sterile Bedingungen kann schnell eine Infektion entstehen. Fertigzubereitete, geprüfte Augentropfen sind daher meist sicherer.
Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Euphrasia officinalis nicht angewendet werden. Es fehlen zuverlässige Studien zur Sicherheit, weshalb medizinische Quellen generell zur Abstinenz raten. Ähnliches gilt für Kleinkinder: Die meisten Hersteller empfehlen Euphrasia-Produkte (z.B. Augentropfen) erst ab einem Alter von 2 Jahren. So gibt Weleda an, dass ihre Euphrasia-Augentropfen erst ab 2 Jahren unbedenklich sind; bei unter 2-Jährigen solle man ärztlichen Rat einholen. Einige Apothekenheiler verweisen zwar darauf, dass auch bei Babys hängende oder verklebte Augen mit milden Augentropfen (mit Euphrasia) behandelt werden, doch gilt hier besondere Vorsicht. Auch aufgrund der Alkaloid-Warnung wird im Zweifelsfall zu konservativen Anwendungen (z.B. homöopathische Verdünnungen) geraten. Ich empfehle generell in meinen Kursen, an den Augen wird nicht herumexperimentiert.
Zusammenfassung und Vorsichtshinweise
Euphrasia officinalis ist ein vielseitiges Volksmittel: Es wirkt entzündungshemmend, adstringierend und wird sowohl für Augenbeschwerden als auch in der Hautpflege eingesetzt. Zugleich birgt die Pflanze Risiken, vor allem bei falscher Anwendung oder bei speziellen Patientengruppen. Häufige Nebenwirkungen sind lokale Reizungen oder Allergien. Insbesondere sollten Schwangere, Stillende und Kleinkinder auf Euphrasia-haltige Produkte verzichten. Wer Augentrost äußerlich nutzt, sollte darauf achten, sterile Arzneiformen zu verwenden und keine überdosierten Hausmittel anzurühren. Rücksprache mit dem Arzt ist unabdingbar. Ich verwende keine Tinktur an den Augen!
Professionelles Rezept für eine Euphrasia-Tinktur
Zutaten:
- Euphrasia officinalis (Augentrost), getrocknet: 100 g
- Ethanol (45 %): 500 ml
Anleitung:
- Vorbereitung: Die getrocknete Euphrasia officinalis fein zerkleinern, um die Oberfläche für die Extraktion zu vergrößern.
- Mazeration: Die zerkleinerte Pflanze in ein Glasgefäß geben und mit Ethanol übergießen, sodass die Pflanze vollständig bedeckt ist.
- Extraktion: Das Gefäß verschließen und an einem kühlen, dunklen Ort für 14 Tage aufbewahren. Täglich schütteln, um die Extraktion zu fördern.
- Filtration: Nach der Mazeration die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder Filterpapier abseihen, um die festen Pflanzenteile zu entfernen.
- Lagerung: Die fertige Tinktur in dunkle Glasflaschen abfüllen und lichtgeschützt lagern.
Dosierung:
Laut der französischen Arzneimittelbehörde ANSM kann die Tinktur in einer Verdünnung von 1:5 mit 45 % Ethanollösung hergestellt werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Extraktion
Studien haben gezeigt, dass die Extraktionsmethode einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Tinktur hat. Eine Untersuchung verglich die Wirkung von Ethanol-, Ethylacetat- und Heptan-Extrakten von Euphrasia officinalis auf kultivierte menschliche Hornhaut-Epithelzellen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ethanol-Extrakte die gewünschten biologischen Aktivitäten am effektivsten vermitteln.
Augentrost – Arnika Gel
Das ist mein absolutes Lieblingsrezept mit Augentrost. Es wird bei Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen usw. verwendet.
60 g Arnika Tinktur (Arnica montana)
34 g Augentrost Tinktur (Euphrasia officinalis)
5 g Glycerin
1 g Xanthan
Das Glycerin und das Xanthan in einem Becherglas zusammen rühren und etwas lösen. Die beiden Tinkturen in einem weiteren Becherglas mischen.
Nun das Xanthangemisch zu den Tinkturen geben. Am besten schwenkst du das Glas nur ohne zu rühren. Jetzt deckst du das Glas luftdicht ab und lässt das Xanthan seine Wirkung entfalten. So vermeidest du recht gut eine Verklumpung und musst die Tinkturen nicht erwärmen. Lass das Glas über Nacht herumstehen. Du kannst ab und zu schwenken. Solltest du trotzdem Klümpchen im Glas haben, kannst du es am nächsten Tag etwas erwärmen. Das hilft, dass das Xanthan sich schnell löst. Vor dem Abfüllen gut rühren, bis eine schöne Gelkonsistenz entstanden ist.

Während einer meiner Kräuterführungen ließ ich meinen Gedanken freien Lauf und fragte mich, ob Augentrost (Euphrasia officinalis) noch mehr kann, als nur für klassische Augenauflagen verwendet zu werden. Betrachtet man die Inhaltsstoffe, insbesondere Aucubin, liegt die Vermutung nahe, dass die Pflanze über starke entzündungshemmende Eigenschaften verfügt.
Inspiriert von dieser Idee entstand der Gedanke, Augentrost mit Arnika zu kombinieren, um ein pflegendes Gel für Bänder, Prellungen und Verstauchungen herzustellen. Das Ergebnis war beeindruckend: Das Gel ließ sich hervorragend auf verletzte Stellen auftragen und zeigte eine spürbare Schmerzlinderung sowie eine unterstützende Wirkung bei der Heilung.
Praktisch erprobt wurde das Gel bei verschiedenen Beschwerden – von einem Bänderriss über einen stark geprellten Zeh bis hin zu einem verdrehten Knie. In allen Fällen konnte eine lindernde und unterstützende Wirkung festgestellt werden. Die Kombination der beiden Heilpflanzen wirkt synergistisch: Augentrost liefert entzündungshemmende und beruhigende Effekte, während Arnika für ihre bewährten blutstillenden und regenerativen Eigenschaften bekannt ist.
Dieses Erlebnis hat mir einmal mehr gezeigt, wie vielseitig Heilpflanzen eingesetzt werden können, wenn man ihre Inhaltsstoffe und traditionellen Anwendungen mit modernen Erkenntnissen verbindet. Augentrost ist weit mehr als nur eine Pflanze für die Augenpflege – er kann aktiv zur Schmerzlinderung und Unterstützung bei Verletzungen beitragen.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches, diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst, dann auf Eigenverantwortung.