5 Electuarium-Rezepte: Tradition trifft heute 3 antike & 3 moderne

In diesem dritten Beitrag widmen wir uns konkret den ElectuariumRezepte: historisch überlieferten Rezepturen bis hin zu modernen Interpretationen im Kräuter-Honig-Bereich – inklusive Hinweisen auf die ayurvedische Tradition.

3 antike & 3 moderne Electuarium-Rezepte: Tradition trifft heute
3 antike & 3 moderne Electuarium-Rezepte: Tradition trifft heute

Historische Electuarium-Rezepte

  1. Mithridaticum
    Das berühmte Mithridatium (oder Mithridat) war eine antike komplexe Arznei mit vielen Zutaten, die König Mithridates VI entwickelte. Es war in Form eines Electuariums gebunden: Pulver + Süßstoff (Honig) und wurde als Antidot eingesetzt.
  2. Theriac (Theriacale)
    Die Weiterentwicklung: In der griechisch-römischen und mittelalterlichen Ärzteschaft galt Theriak als panaceales Mittel. Die Zubereitung erfolgte oft als Paste mit Honig, z. B. „electuarium theriacum“. Die öffentlichen Zubereitungs-Zeremonien zeigen den kulturellen Status.

Diese Zubereitungen werden heute nicht mehr angewandt bzw. gemischt. Denn Grundzutaten wie Opium und Tiergifte sind nicht erlaubt und gefährlich.

  1. Latwerge der Klosterheilkunde
    Im deutsch-sprachigen Raum war die Latwerge eine dicke Saft-Honig­-Mischung, medizinisch und kulinarisch genutzt – also eine Variante des Electuariums. Beispiel-Rezept wie ein Latwerg ausgesehen haben könnte: Fruchtsaft aus Quitten oder Pflaumen stark einkochen, mit Honig und Gewürzen versetzen, bis zäh-pastös.

Vermutlich wurde das Electuarium durch das Latwerg abgelöst. Denn nicht jeder hatte damals Zugang zu Honig. Aber Obst gab es doch hin und wieder.

Moderne Electuarium-Rezepte

Es werden getrocknete und möglichst fein pulverisierte Kräuter verwendet. Ein Honig nach Wahl kann für die Zubereitung verwendet werden.

  1. Kräuter-Honig zur Immun-Stärkung
    Zutaten: Honig, Hagebuttenpulver, Sanddornpulver, Kurkumapulver, eine Prise schwarzer Pfeffer. Herstellung: Pulver mischen, Honig erwärmen, Zutaten einrühren, in Glas abfüllen.
  2. Goldene Milch“-Paste
    Zutaten: Kurkumapulver, Ingwerpulver, Zimt- und schwarzer Pfeffer-Pulver, Honig. Mischung ergibt pasteartige Zubereitung, die mit warmer Milch eingenommen wird. Besonders an kalten Tagen ist sie als Getränk konsumiert wunderbar. Die Goldene Milch ist wohl eine der bekanntesten Zubereitungsformen. Nur wissen viele nicht, dass es sich im Grunde um ein Electuarium handelt.

  1. Hustenhonig
    Zutaten: Honig, Thymianpulver, Fenchelsamenpulver, Eibischwurzelpulver. Herstellung: Pulver mischen, Honig erwärmen, einrühren, abfüllen. Anwendung: bei Husten oder Halsschmerzen lutschen. Ich rühre es auch ganz gerne in meinen Tee.
  2. Stärkende Zubereitung Gänseblümchen, Giersch, Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Schlüsselblumen und Gundermann in gleichen Teilen pulverisieren und mit Honig mischen. Das ist übrigens die Mischung der Kugeln auf dem Foto. Es wird nur so viel Honig verwendet, dass Kugeln geformt werden können. Ich habe sie einfach in Himbeerpulver für pink und Spirulina Pulver für blau und Fichtenpulver für grün gerollt.

Ayurveda-Hinweis

Im Ayurveda kennt man eine ähnliche Zubereitungsform: sogenannten Lehya (लिह्य), eine geleartige Zubereitung von Kräutern, Zucker oder Honig und Gewürzen, die gelutscht werden. Diese Tradition zeigt die universelle Verbreitung des Electuarium-Gedankens: Kräuter + süße Trägersubstanz.

Anwendungstipps

  • Verwende möglichst hochwertigen Honig und fein gemahlene Kräuter.
  • Sanft erwärmen, damit die Inhaltsstoffe nicht überhitzt werden.
  • Dunkle, luftdichte Aufbewahrung – Paste haltbar im Kühlschrank einige Wochen.
  • Dosierung: kleine Mengen reichen – ½–1 Teelöffel
  • Achte auf mögliche Wechselwirkungen (z. B. wenn Kräuter bestimmte Wirkstoffe enthalten) und konsultiere Fachpersonen bei Unsicherheit.

Schlussbemerkung

Vom antiken Mithridatium über die mittelalterliche Theriak-Tradition bis zur heutigen Kräuter-Honig-Paste: Das Konzept des Electuarium zeigt eine durchgehende Verbindung von Heilkunst, Geschmack und Textur. Wer heute eine moderne Version herstellt, folgt einem jahrhundertealten Ansatz – und kann ihn mit zeitgemäßen Zutaten kreativ weiterdenken. Vermutlich war die Kräuter-Honig-Zubereitung das erste bekannte Dessert.

Begriffserklärung Teil 3:

Ab etwa 1900 verschwand das Wort weitgehend aus dem allgemeinen Sprachgebrauch, weil die pharmazeutischen Formen standardisiert wurden – man sprach nun von „Sirup“, „Paste“, „Elixier“ oder „Konfitüre“.
In der heutigen phytotherapeutischen Szene erlebt das Wort Electuarium jedoch eine Renaissance, oft im englischen Sprachraum („herbal electuary“), aber zunehmend auch wieder im deutschsprachigen Kräuterkontext. Dort dient es als elegante, traditionsbewusste Bezeichnung für Honig-Kräuter-Zubereitungen, die zwischen Nahrung und Heilmittel stehen.

Kurz zusammengefasst über Electuarium-Rezepte:

  • Bedeutung: ableckbare, honiggebundene Arzneipaste
  • Ursprung: griechisch ekleíchein („lecken“) → lateinisch electuarium
  • Deutsche Entsprechung: Latwerge oder Leckmittel
  • Erste Belege: antike Pharmatexte (1. Jh.), im Deutschen ab ca. 13.–14. Jh.
  • Heutige Verwendung: Wiederentdeckung in der Kräuterheilkunde als traditionelle, honigbasierte Darreichungsform

Ursprung der Electuarium-Rezepte:

Culpeper beschrieb in seinem berühmten Werk The English Physician (1652) bzw. Pharmacopoeia Londinensis (1649) viele Electuaria, die er meist nach ihrer Hauptwirkung oder Hauptsubstanz benannte, etwa:

  • Electuarium lenitivum – mild abführend, beruhigend
  • Electuarium aromaticum – mit Gewürzen zur Stärkung von Magen und Herz
  • Electuarium e scoria ferri – eisenhaltig, stärkend
  • Theriacal Electuary – abgeleitet vom Theriak, als Allheilmittel gegen Gifte

Culpeper selbst notierte diese Rezepte in Lateinisch-Englischer Mischsprache, meist als Sammlung von Zutaten (Pulver, Harze, Honig, Zucker) mit genauen Dosierungen, bezogen auf das damalige Apothekermaßsystem (Drachmen, Unzen, Scrupel).

1. Beruhigendes Electuarium bei Husten

Zutaten:

  • 50 g Honig
  • 3 g Süßholzwurzelpulver
  • 10 g Eibischwurzelpulver
  • 5 g Thymianpulver
  • 5 g Fenchelsamenpulver

Zubereitung:

  1. Die pulverisierten Zutaten gut vermischen.
  2. Den Honig erwärmen (nicht über 40 °C), um ihn flüssiger zu machen.
  3. Die Pulver langsam in den Honig einrühren, bis eine gleichmäßige Paste entsteht.
  4. In einem verschließbaren Glasgefäß aufbewahren.
    Anwendung: 1 Teelöffel bei Bedarf einnehmen.

2. Verdauungsfördernde Zubereitung

Zutaten:

  • 30 g Honig
  • 5 g Fenchel- oder Anispulver
  • 10 g Angelikawurzelpulver
  • 5 g Ingwerpulver
  • 1–2 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl (optional)

Zubereitung:

  1. Die Pulver gut mischen.
  2. Honig erwärmen und mit den Pulvern verrühren.
  3. Optional das ätherische Pfefferminzöl hinzufügen.
  4. Die Masse in ein Glas füllen.
    Anwendung: ½–1 Teelöffel nach dem Essen einnehmen.

3. Immunsystem-stärkende Zubereitung

Zutaten:

  • 40 g roher Honig
  • 25 g Hagebuttenpulver, ich verwende immer komplett pulverisierte Hagebutten.
  • 10 g Sanddornfruchtpulver
  • 5 g Kurkumapulver
  • 1 Prise schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  1. Hagebutten- und Sanddornpulver sieben, um größere Stücke zu entfernen.
  2. Honig mit allen Pulvern verrühren.
  3. In einem Glasgefäß, kühl und dunkel lagern.
    Anwendung: 1 Teelöffel täglich, am besten morgens.

4. Harz-Electuarium zur Atemwegsunterstützung

Zutaten:

  • 5 g Kiefernharz (gereinigt), wie von der Fichte
  • 30 g Bienenhonig
  • 10 g Eibischwurzelpulver
  • 5 g Myrrhenpulver

Zubereitung:

  1. Das Kiefernharz vorsichtig im Wasserbad schmelzen.
  2. Den Honig hinzufügen und verrühren.
  3. Die Pulver nach und nach einrühren, bis eine homogene Paste entsteht.
  4. In einem Glas, luftdicht verschließen.
    Anwendung: ½ Teelöffel bei Husten oder Verschleimung einnehmen.

5. Belebendes Electuarium (adaptogen)

Zutaten:

  • 40 g Honig
  • 10 g Ginsengpulver
  • 10 g Macapulver
  • 5 g Ashwagandhapulver
  • 1 Prise Zimt

Zubereitung:

  1. Pulver gut vermischen und nach und nach in den Honig einrühren.
  2. Masse in ein Glas geben und luftdicht verschließen.
    Anwendung: 1 Teelöffel morgens oder vor geistiger Anstrengung einnehmen.

Fun Facts:

Electuarium Theriacale Magnum Original aus den Chronicles of Pharmacy

Wurzel der Florentiner Schwertlilie, Süßholz, jeweils 12 oz; Arabischer Costus, Pontischer Rhabarber, Fingerkraut, jeweils 6 oz; Ligusticum meum, Rhabarber, Enzian, jeweils 4 oz; Osterluzei, 2 oz; Scordiumkraut, 12 oz; Zitronengras, Andorn, Kretischer Diptam, Bergminze, jeweils 6 oz; Polei-Minze, Pinienrinde, Gamander, jeweils 4 oz; Blätter von Lorbeerkassie, 4 oz; Blüten von roten Rosen, 12 oz; Lavendel, 6 oz; Johanniskraut, 4 oz; Tausendgüldenkraut, 2 oz; Safran, 6 oz; Früchte von Amyris opobalsamum, 4 oz.; Zimt, 12 oz.; Cassia lignea,

Narde, je 6 oz.; Keltische Narde, 4 oz.; Langer Pfeffer, 24 oz.; Schwarzer Pfeffer, Ingwer, je 6 oz.; Kardamom, 4 oz.; Rapssamen, Blätterpilz, je 12 oz.; Samen von mazedonischer Petersilie, 6 oz.; Anis, Fenchel, Kresse, Seseli, Thlaspi, Amomum, Sandkraut, je 4 oz.; Karotte, 2 oz.; Opium, 24 oz.; Opobalsamum, 12 oz.; Myrrhe, Olibanum, Terpentin, je 6 oz.; Storax, Gummi arabicum, Sagapenum, je 4 oz.; Asphalt, Opoponax, Galbanum, jeweils 2 Unzen; Saft von Akazie und Hypocist, jeweils 4 Unzen; Rizinus, 2 Unzen; Lemnischer Bolus, gebrannter Vitriol, jeweils 4 Unzen; Trochisken von Meerzwiebeln, 48 Unzen; von Vipern, von Kalmus, jeweils 24 Unzen.

Verreiben Sie die Balsame, Harze und Gummis in einer ausreichenden Menge Wein, um eine dünne Paste zu bilden, und vermischen Sie das Ganze mit 960 Unzen Honig.

Confectio Damocratis (Mithridatium) Original aus den Chronicles of Pharmacy

Zimt: 14 Drachmen, Myrrhe: 11 Drachmen; Blätterpilz, Narde, Ingwer, Safran, Thlaspi-Samen, Weihrauch, Chio-Terpentin, jeweils 10 Drachmen, Kamelheu, Arabischer Costus (Zetower), Indisches Blatt (Muskatblüte), Französischer Lavendel, Langer Pfeffer, Hartkrautsamen, Saft aus Zistrosen, abgeseihtes Storax, Opoponax, abgeseihtes Galbanum, Balsam von Gilead (ausgedrücktes Muskatnussöl), Russischer Rizinus, jeweils 1 oz. Poley Mountain, Wasser-Gamander, Früchte des Balsambaums (Kubebben),

weißer Pfeffer, kretische Karottensamen, passiertes Bdellium, jeweils 7 Drachmen. Keltische Narde, Enzianwurzel, kretische Diptamblätter, rote Rosen, mazedonische Petersiliensamen, Samen des Kleinen Kardamoms, süße Fenchelsamen, Gummi arabicum, gefiltertes Opium, je 5 Drachmen. Kalmuswurzel, wilde Baldrianwurzel, Anissamen, passiertes Sagapenum, jeweils 3 Drachmen. Bärwurz, Johanniskraut, Akaziensaft (Catechu), Wadenbäuche, jeweils 2½ Drachmen.

Geklärter Honig, dreimal so schwer wie alles andere.

Theriaca Andromachi Original aus den Chronicles of Pharmacy

Pralinen mit Meerzwiebeln, ½ Pfund. Langer Pfeffer, abgesiebtes Opium, getrocknete Vipern, jeweils 3 oz. Zimt, Balsam von Gilead (ausgedrücktes Muskatnussöl), jeweils 2 oz. Blätterpilz, Iriswurzel, Scordium, rote Rosen, Navewsamen, Süßholzextrakt, jeweils 1½ Unzen. Narde, Safran, Kardamom, Myrrhe, Costus (Zitwer), Kamelheu, jeweils 1 oz. Fingerkrautwurzel, Rhabarber, Ingwer, Indisches Blatt (Muskatblüte), Kretische Diptamblätter, Andorn, Bergminze, Französischer Lavendel, schwarzer Pfeffer, Petersiliensamen, Weihrauch, Chio-Terpentin, Baldrianwurzel, jeweils 6 Drachmen. Enzianwurzel, Keltische Narde, Bärwurz, Berg-Johanniskraut, Pinienkerne, Kriechender Gamander, Früchte des Balsambaums (Kubeben), Anis, Fenchelsamen, Kleine Kardamompflanze, Bischofskraut, Hartkraut, Melassesenf, Saft aus Zistrosen, Katechu, Gummi arabicum, Storax, Sagapenum, Lemnische Erde (Armenischer Baumstamm), gebrannter Grüner Schwefel, jeweils ½ oz. Kriechende Osterluzei, Tausendgüldenkraut, kretische Karottensamen, Opoponax, passiertes Galbanum, russischer Rizinus, Judenpech (weißer Bernstein), Kalmuswurzel, jeweils 2 Drachmen.

Geklärter Honig, dreimal so schwer wie alles andere.

Man sieht schon, historisch waren es recht verrückte Rezepte mit fragwürdigen Zutaten.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffen treffe, basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder Ähnliches, diese basieren auf Erfahrungswerten der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst, dann auf Eigenverantwortung.

Quellen:

Electuarium 7 Gründe & Risiken und wie es wirkt

Der Begriff Electuarium bezeichnet – wie bereits im ersten Beitrag erläutert – eine Arzneiform, bei der pulverisierte Wirkstoffe in eine süße Masse wie Honig oder Sirup eingebettet werden. Der heutige Beitrag stellt die Anwendungen, Vorteile und Risiken eines solchen honiggebundenen Arzneimittels ins Zentrum: warum Honig? Welche Vorteile bringt diese Zubereitungs­form? Und welche Nachteile sollten beachtet werden?

Electuarium Zubereitung Tipp
Electuarium Zubereitung

Warum Honig?

Honig fungiert nicht nur als Süßungsmittel, sondern bringt mehrere günstige Eigenschaften mit:

  • Er dient als Bindemittel: Pulver wirkt trocken und ungenießbar, mit Honig entsteht eine Paste, die gut gelutscht werden kann („electuariums“ = „zu leckendes Arzneimittel“).
  • Er verbessert die Geschmacklichkeit: Viele Kräuter oder Mineralien sind bitter oder „streng“ im Geschmack – die Honigbindung macht die Einnahme angenehmer, was die Compliance in historischen Zeiten steigerte.
  • Honig kann selbst eine mild heilende Wirkung haben – z. B. bei Husten, Halsbeschwerden oder äußerer Anwendung.

Vorteile eines Electuariums

  1. Palatabilität: Eine bitter wirkende Mischung wird durch Honig leicht akzeptierbar.
  2. Langsame Freisetzung: Pastehafte Zubereitungen bleiben im Mund und wirken über längere Zeit, was insbesondere bei Kräuterwirkstoffen sinnvoll sein kann.
  3. Flexibilität der Einnahme: Man kann die Paste direkt lutschen, in warmem Wasser/Milch oder Tee auflösen oder auf Brot einnehmen – das macht sie vielseitig.
  4. Kombination vieler Wirkstoffe: Historisch erlaubte die Pasteform die Kombination zahlreicher Zutaten – wie bei Theriak oder Mithridat.
  5. Haltbarkeit und Lagerung: Honig- oder Sirupgebundene Zubereitungen waren in Zeiten ohne moderne Konservierung länger verwendbar.
  6. Symbolische/mystische Wirkung: In früheren Jahrhunderten verlieh die „edle Form“ (süß, dick, pastös) einer Arznei zusätzliches Prestige – was die therapeutische Wirkung weiter stärkte (Placebo-/Ritualeffekt).
  7. Moderne Adaption: Heute finden sich „Electuaria“ im Bereich der Kräuter-Honig-Pasten wieder – z. B. als Hustenhonig, Digestivpaste oder Gewürzhonig („goldene Milch“-Kur).

Nachteile und Risiken

  • Zuckergehalt: Honig enthält viel Frucht- und Traubenzucker – bei regelmäßigem, größeren Verzehr sind Kalorien und Einfluss auf Blutzucker zu bedenken.
  • Unkontrollierte Dosierung: In historischer Form enthielten Electuaria häufig viele, auch potenziell riskante Inhaltsstoffe (z. B. Opium, Tierbestandteile bei Theriak) – moderne Adaptationen müssen sauberer formuliert sein.
  • Haltbarkeit/ hygienische Risiken: Wenn nicht korrekt gearbeitet oder gelagert, kann die Paste fermentieren oder mikrobiell kontaminiert werden. Das passiert meist, wenn frische Pflanzen verwendet werden. Früher war ab und zu eine Fermentation erwünscht.
  • Allergien & Unverträglichkeiten: Kräuter, Harze, Scharfstoffe oder Honig selbst können Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen.
  • Falsche Sicherheitsannahmen: Historisch wurden Electuaria oft als „Allheilmittel“ beworben (z. B. Theriak als Universalantidot) – moderne Evidenz fehlt vielfach.
  • Kinder & Honig: Bei Säuglingen besteht Risiko einer Botulismus-Erkrankung bei Rohhonig­verzehr – auch wenn diese Form selten so konzentriert eingesetzt wird, sollte Vorsicht gelten.

Praktische Anwendungshinweise

  • Wenn du eine moderne Kräuter-Honig-Paste (Electuarium) herstellen möchtest, achte auf eine gute Qualität des Honigs, getrocknete Kräuter (fein gemahlen), saubere Gefäße und dunkle Lagerung. Die Pulver sollten gesiebt werden, für eine angenehme Einnahme.
  • Die Einnahme kann z. B. vor dem Schlafen, bei Husten oder zur allgemeinen Stärkung erfolgen – kleine Mengen reichen oft.
  • Konsultiere bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft oder Kindern vorher eine Fachperson – nicht jede Kräutermischung ist harmlos.
  • Behalte realistische Erwartungen: Solche Pasten können unterstützend wirken, aber ersetzen nicht notwendige medizinische Therapien.

Begriffserklärung Teil 2:

Die erste belegte deutschsprachige Erwähnung findet sich im späten Mittelalter, wo man den Begriff in den Apothekenbüchern oft in lateinischer Form ließ, aber im Deutschen übersetzte man ihn bald zu „Latwerge“ oder „Leckmittel“.
Das Wort Latwerge geht etymologisch auf das mittellateinische electuarium zurück, via althochdeutsch latuarich → mittelhochdeutsch latwerge. Diese Formen bezeichneten genau dieselbe Zubereitung – eine dicke, süß gebundene Paste aus Heilsubstanzen.
In alten Kräuterbüchern wie dem von Hieronymus Bock (1539) oder Leonhart Fuchs (1543) findet man beides: das gelehrte Electuarium in der lateinischen Rezeptüberschrift und den volkstümlichen Begriff Latwerge oder Leckmittel in der Beschreibung.

Beispielhafte Entwicklung der Begriffe:

  • Griechisch: ἐκλείχειν → „ablecken“
  • Lateinisch: electuarium → „Leckmittel“
  • Mittellateinisch: lectuarium, electuarium
  • Althochdeutsch: latuarich
  • Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch: Latwerge

Während Latwerge im Laufe der Zeit ins kulinarische Sprachfeld überging – also Mus, Fruchtpaste, eingekochter Saft –, blieb Electuarium im pharmazeutischen Bereich als Fachbegriff erhalten. In Apothekenverzeichnissen des 17. bis 19. Jahrhunderts findet man ihn häufig, etwa in Kombinationen wie Electuarium lenitivum (milde Latwerge), Electuarium aromaticum (gewürzreich) oder Electuarium theriacale (Theriak-Latwerge).

Für mich gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Latwerg, welches oft eingedicktes Obst/Mus ist. Und das Electuarium, welches Kräuterpulver mit Honig darstellt.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
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Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffen treffe, basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder Ähnliches, diese basieren auf Erfahrungswerten der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst, dann auf Eigenverantwortung.

Quellen zum Weiterlesen & Verlinken:

5 epochale Stationen der Electuarium-Tradition: Geschichte, Magie & Mystik

Das Wort Electuarium bezeichnet eine Arzneiform, die ihren Ursprung in der Antike hat: eine zähflüssige Masse aus pulverisierten Wirkstoffen, häufig Kräutern, Resinen oder Mineralien, gebunden mit Honig, Melasse oder Sirup – sodass sie „geleckt“ oder gelutscht werden konnte.

Electuarium
Was ist ein Electuary

In diesem ersten Beitrag widmen wir uns dem Thema Electuarium in seiner geschichtlichen Ausdehnung, seinen mystischen und magischen Aspekten – und ziehen gezielt Vergleiche zu bekannten Formen wie dem Theriak (Theriaka), dem Mithridat (Mithridatium) und der im deutschsprachigen Raum bekannten Zubereitungsform des Latwerge.

1. Antike Ursprünge

Bereits in griechisch-römischer Zeit finden sich Hinweise auf dicke Arzneipasten, bei denen Honig oder süßende Substanzen als Vehikel verwendet wurden, um bittere, starke oder exotische Wirkstoffe – etwa Gifte, Tierprodukte oder exotische Harze – verträglich zu machen. Besonders die Geschichte des Mithridatiums ist legendär: Der König Mithridates VI Eupator von Pontus (2. Jh. v. Chr.) soll eine komplexe Mixtur entwickelt haben, um sich gegen Vergiftung zu schützen – diese Form ging später in die Theriak-Tradition ein.
Auch der Begriff „theriak“ leitet sich vom griechischen therion („Wildtier, Bestie“) ab, da solche Mixturen ursprünglich als Gegengift bei Tier- oder Schlangenbissen galten.

2. Mittelalter & Ritual

Im Mittelalter nahm das Electuarium (lat. electuarium) eine zentrale Rolle in der Arzneimittelpraxis ein – sowohl im Kloster- wie auch im städtischen Umfeld. In deutschsprachigen Regionen war eine Variante als Latwerge bekannt, dick eingekochter Saft oder Mus mit Honig oder Sirup, der sowohl als Arznei als auch kulinarische Zubereitung diente.
Parallel dazu entwickelten sich öffentliche Zubereitungen von Theriak, bei denen Apotheker und Ärzte in Zeremonien große Chargen kochten – ein Hinweis auf das hohe Prestige dieser Arzneiform.

3. Besonderheiten & Magie

Was macht das Electuarium so offen für mystische bzw. magisch-medizinische Vorstellungen? Erstens: Die dicke, süße Konsistenz – Honig war seit Ägypten für seine konservierende, „heilende“ Wirkung bekannt. Zweitens: Die Formulierung mit sehr vielen und oft exotischen Zutaten (z. B. Tier- oder Giftprodukte) erzeugte den Eindruck eines „Wundermittels“. Besonders bei Theriak hieß es, die Mixtur benötige eine Reifung von Jahren, um ihre vollständige Wirkung zu entfalten.
Drittens: Das Zusammenspiel von Heilpflanze, Geschmack, Textur und ritueller Zubereitung – das Erzeugen einer besonderen Arzneiform – trug zur magischen Aura bei. Der Begriff „Electuarium mirabile“ taucht in Werbeanzeigen des 18. Jahrhunderts auf.

4. Vergleich: Theriak, Mithridat, Latwerge

  • Mithridatium war eine frühe, komplexe Mixtur mit Dutzenden von Zutaten, entwickelt im antiken Pontus.
  • Theriak gilt als Weiterentwicklung bzw. Ableger: Eine noch umfangreichere Mischung (zum Teil > 50 Zutaten), oft mit Honig gebunden, als „Universalantidot“ im Mittelalter und der frühen Neuzeit.
  • Latwerge im deutschsprachigen Mittelalter: Ursprünglich eher saft-honigbasierte Paste, häufig auch mit medizinischer Funktion („Leckmittel“) – eine Variante des Electuariums.
    Somit liegt das Electuarium begrifflich und funktional zwischen diesen Formen – es ist die generische Kategorie, unter der solche pastösen Heil- oder Genussmittel laufen.

5. Moderne Rückkehr & „Goldene Milch

In der heutigen Zeit erlebt die Idee von honiggebundenen Kräuter-Pasten eine echte Renaissance – etwa im Bereich der „Goldenen Milch“, jener Kur aus Kurkuma, Pfeffer, Honig und anderen Gewürzen, die nun in Herbst- und Winterzeit als Gesundheitsbeigabe wieder populär wird. Diese Zubereitung entspricht in ihrer Grundidee dem Electuarium-Gedanken: Kräuter oder Gewürze mit süßem Träger vermischt, um ihren Nutzen angenehmer und wirkungsvoller einzunehmen.
Damit kann man sagen: Die Tradition des Electuariums lebt weiter – neu interpretiert, aber mit Wurzeln, die Jahrtausende zurückreichen.

Die Herkunft des Wortes Electuarium

Der Begriff Electuarium stammt ursprünglich aus dem Lateinischen, genauer von ēlectuārium (später electuarium geschrieben). Dieses wiederum leitet sich vom griechischen ἐκλεικτόν (ekleiktón) bzw. ἐκλείχειν (ekleíchein) ab, was wörtlich „auflecken“, „ablecken“ oder „lecken“ bedeutet.
Das spiegelt die ursprüngliche Anwendungsweise dieser Arzneiform wider: Man sollte sie ablecken oder im Mund zergehen lassen, um die Wirkstoffe langsam aufzunehmen – ganz ähnlich wie bei einem Sirup oder einer modernen Kräuter-Honig-Paste.

In der lateinischen medizinischen Terminologie taucht das Wort bereits in antiken pharmazeutischen Texten auf. Spätestens im 1. Jahrhundert n. Chr. verwendete Dioskurides (in De Materia Medica) vergleichbare Begriffe für pastöse, süß gebundene Arzneiformen.
Im späteren mittelalterlichen Latein blieb electuarium erhalten und wurde in medizinischen Handschriften, Klosterrezepturen und Apothekenordnungen regelmäßig gebraucht.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Quellen zum Weiterlesen & Verlinken:

Electuarium Rezept: So machst du Goldene Milch

Goldene Milch Electuarium Rezept ©Marlies Schneider

Hast du schon einmal von Electuaries oder Latwergen gehört? Im Grunde ist es ein Honig der mit Kräutern zu einer dicken Paste angerührt wird. Electuarium ist lateinisch und bedeutet so viel wie Leckmittel. Diese Technik der Medizinherstellung ist tatsächlich sehr alt und war besonders im Mittelalter weit verbreitet. Ich bin mir auch sicher, dass der Begriff „Goldene Milch“ geläufig ist und du zumindest diesen schon irgendwo aufgeschnappt hast. Für die Herstellung der Goldenen Milch wird nichts anderes verwendet als ein Electuary oder Latwerg. Auch Theriak welcher früher oft opiumhaltig und mit vielen Zutaten gemischt wurde, war nichts anderes als ein Electuary oder Latwerg. Heute kommt Theriak in abgewandelter Form vor. Naja ohne Opium eben. Theriak ist eine der Zutaten in Maria Trebens Schwedenbitter. Allerdings ist mir aufgefallen, dass es sich beim Schwedenbitter, bei den fertigen Mischungen, in der Regel nur um Kräutermischungen handelt. Von Theriak, also einem Latwerg, ist da keine Spur mehr vorhanden.

Wenn du nach dem Begriff Latwerg im Internet suchst findest du auch nicht sonderlich viel. Meistens scheinen nur Rezepte für Pflaumenmus auf.

Übrigens ist das Birnenmus mit Bärwurz nach Hildegard von Bingen nichts anderes als ein Latwerg.

Warum allerdings diese Methode der Medizinherstellung kaum noch bekannt ist, erschließt sich mir nicht. Mein amerikanischer Kräuterlehrer Thomas verwendet nach wie vor Electuaries. In Amerika ist diese Methode viel geläufiger als bei uns in Europa.

Für die Herstellung einer Goldenen Milch wird auch ein Latwerg verwendet. Da ich meinen Kaffeekonsum etwas einschränken wollte, trotzdem gerne ein Heißgetränk trinken möchte habe ich mich neben dem Matcha Latte auch für Goldene Milch entschieden.

Als erstes stellen wir unser Pulver her für die Goldene Milch.

Goldene Milch Rezept

3 Tl Curcuma

1 Tl Ingwer

1 Tl Zimt

1/4 Tl schwarzer Pfeffer

1/4 Tl Cardamom

Prise Nelken

Prise Muskat

Prise Cyenpfeffer

Alle Zutaten in Pulverform gut durchmischen. In ein sauberes Glas füllen.

Anschließend nimmst du von deinem Pulvermix ca. 2 Esslöffel und gibst sie zu ca. 1/4 l Tasse Honig. Sehr gut vermengen. Es soll eine nicht zu flüssige Honigpaste entstehen. Diese kannst du auch in ein sauberes Glas füllen.

Für deine Goldene Milch verwendest du nun je nach Gusto ca. 1 Tl auf eine Tasse heiße Kokosmilch. Gut umrühren und genießen.

Es schmeckt auch gut wenn du 1 Tl auf eine Tasse heißes Wasser gibst und ca. 1 El Kokoscreme hinzu gibst.

Mit dem Stabmixer lässt sich das Ganze gut aufschäumen.

Goldene Milch Electuarium Rezept ©Marlies Schneider

Wenn du lieber eine andere Milch verwenden möchtest steht es dir frei zu experimentieren.

Goldene Milch unterstützt unser komplettes Verdauungssystem. Der Pfeffer im Rezept ist ein Synergist damit Kurkuma ideal aufgenommen werden kann. Goldene Milch hält dich fit und macht Kaffee überflüssig. So kannst du den Konsum gut reduzieren. Außerdem wird die Durchblutung angeregt und an besonders kalten Tagen wärmt sie dich wunderbar.

© Marlies Schneider, Referentin der FNL Kräuterakademie
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