Heilpflanzen im Frühjahr: Das Bingelkraut vorgestellt

Der Frühling ist da und das Wetter ist traumhaft. Die Frühjahrskräuter schießen aus dem Boden. Man findet Veilchen, Löwenzahn und Bärlauch. Aber auch ein ganz unscheinbares kleines Kräutlein findet man jetzt überall.
Ich habe mir vorgenommen euch hin und wieder ein Pflanzenportrait einzustellen.

Die Wahl ist auf das „Bingelkraut“ gefallen!

Heilpflanzen im Frühjahr: Das Bingelkraut vorgestellt ©Marlies Schneider

Bei uns findet man zwei Gattungen davon. Das Einjährige Bingelkraut oder auch Garten-Bingelkraut genannt – Mercurialis annua und das ausdauernde Wald-Bingelkraut – Mercurialis perennis.

Pflanzenporträt: Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Das Wald-Bingelkraut, auch bekannt als Ausdauerndes Bingelkraut oder Wildhanf, gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Es ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die vor allem in schattigen Laub- und Mischwäldern Europas, Nordafrikas und Vorderasiens vorkommt. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige Böden und bildet oft dichte Bestände.

Merkmale:

  • Wuchshöhe: 15–30 cm.
  • Blätter: Dunkelgrün, lanzettlich und leicht gezähnt.
  • Blüten: Klein, grünlich und unscheinbar. Die Pflanze ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Exemplare.
  • Blütezeit: April bis Mai.
  • Besonderheit: Die Pflanze enthält keinen Milchsaft, obwohl sie zur Familie der Wolfsmilchgewächse gehört.

Bei der Namensherkunft ist man sich nicht ganz eins. Meist verbreitet ist die Theorie es könnte ein Kraut des Götterboten der Römer sein, welches Merkur (Hermes) war. Wolf Dieter Storl beschreibt das Einjährige Bingelkraut in seinem Buch Wandernde Pflanzen. Er erklärt es folgendermaßen: „Das Einjährige Bingelkraut ist im Gegensatz zum Guten Heinrich als „böser Heinrich“ zu verstehen. Denn verzehrt man diese Pflanze ergeht es einem richtig schlecht. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gehen dann einher, wurde es früher doch tatsächlich für eine „innere Reinigung“ verwendet.

Beide Pflanzen der Wolfsmilchgewächse gelten als giftig und es wird heutzutage generell von einer inneren Einnahme abgeraten. Beide Pflanzen sind (nicht zwingend) zweihäusig, das bedeutet, dass wir hier eine männliche und eine weibliche Pflanze finden können.

Inhaltsstoffe:

Das Wald-Bingelkraut enthält eine Vielzahl von Wirkstoffen, darunter:

  • Saponine: Wirken schleimlösend und entzündungshemmend.
  • Bitterstoffe: Fördern die Verdauung und regen den Appetit an.
  • Scharfstoffe: Haben eine reizende Wirkung auf Haut und Schleimhäute.
  • Ätherische Öle: Tragen zur entzündungshemmenden Wirkung bei.

Magische Geschichten gibt es natürlich auch, dachte Dioskurides, eine Einnahme der männlichen Pflanze würde die Geburt eines Buben begünstigen. Doch leider hat Dioskurides die Pflanzen noch dazu verwechselt.


Wegen seiner narkotischen Zutat war es auch ein Bestandteil der Flugsalbe.

Heilpflanzen im Frühjahr: Das Bingelkraut vorgestellt ©Marlies Schneider

Im getrockneten Zustand verliert das Bingelkraut seine Giftigkeit.
Das getrocknete Kraut kann man ohne weiteres in ein Schlafkissen füllen. Wird die Pflanze getrocknet wird das trockene Kraut bläulich. Darum wurde sie früher auch zum Färben oder als Tinte verwendet.

Verwendung in der Volksheilkunde:

Das Wald-Bingelkraut wurde traditionell für verschiedene Beschwerden eingesetzt, obwohl es als leicht giftig gilt und daher mit Vorsicht zu verwenden ist:

  • Abführmittel: Ein Tee aus dem Kraut wurde früher bei Verstopfung verwendet.
  • Harntreibend: Zur Unterstützung der Nierenfunktion.
  • Äußerliche Anwendungen: Salben und Umschläge wurden bei schlecht heilenden Wunden, Entzündungen und Hämorrhoiden verwendet.
  • Frauenheilkunde: Früher zur Linderung von Menstruationsbeschwerden.

In der modernen Volksheilkunde wird das Kraut aufgrund seiner reizenden Wirkung seltener innerlich angewendet. Stattdessen findet es vor allem in Salben Verwendung. Diese Salben nutzen die entzündungshemmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften der Pflanze.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.