Weltweit gibt es etwa 200 verschiedene Rumex-Arten, alle gehören zur Familie der Knöterichgewächse. Einige von ihnen sind nicht nur für Menschen von Interesse, sondern auch als wertvolle Futterpflanzen für Schmetterlinge. Bisher haben Forscher 29 Rumex-Arten untersucht. Diese enthalten etwa 268 Substanzen. Dazu gehören Anthrachinone, Flavonoide, Naphthaline, Stilbene, Diterpenalkaloide, Terpene, Lignane und Tannine.
Familienzugehörigkeit und Synonyme: Beide Pflanzen gehören zur Gattung Rumex in der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Rumex crispus wird auch als Krauser Ampfer bezeichnet, im Englischen ist er als Yellow Dock bekannt.
Der Name Rumex stammt vom lateinischen rumo, was „saugen“ bedeutet. Die Römer hatten die Angewohnheit, auf den säuerlichen Blättern zu kauen. Sie stillten ihren Durst auf natürliche Weise. Vermutlich kennst du den sauren Geschmack vom Sauerampfer. Diese Methode war eine Erfrischung, lange bevor es Limonaden gab. In Griechenland ist die Pflanze heute als Lapatho bekannt. Sie wird dort geschätzt und genutzt. Das gilt auch für viele andere Kulturen.
In Vorarlberg sagt man zu den großen Rumex-Arten oft Schmalzblätter oder Schmalzblackte. Allerdings variiert das in Vorarlberg von Ort zu Ort sehr stark.
Spannende Arten sind dabei folgende:
| Rumex crispus: Ursprünglich in Eurasien beheimatet, ist er heute weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet. In Deutschland und Österreich ist er weit verbreitet. In Vorarlberg eher spärlich. Er wächst in Unkrautfluren, an Ufern, Gräben, auf Äckern und in nassen Wiesen. | Rumex alpinus: Typisch für alpine Regionen, wächst er in Höhenlagen und ist in den Alpen verbreitet. Man vermutet ein Handel mit Sämereien der Pflanze betrieben wurde. Die Älpler haben diese bei ihren Wanderungen mitgenommen. Man geht davon aus, dass Ende des 16. Und Anfang der 17. Jahrhunderts die Pflanze als Nutz und auch als Heilpflanze verwendet wurde. Der Verbreitungsgrad soll sich bis in den südpolnischen Raum erstrecken. (Putlitz und Meyer, 1911 Jerosch Brockmann, 1925 und Kopecky 1973) |
| Wurzel: Tiefreichend, bis zu 3 Meter tief. Blätter: Grundständige Blätter sind lanzettlich, bis 30 cm lang, am Rand stark kraus gewellt. Viele Ampferblätter haben gekräuselte Ränder. Der Krause Ampfer ( Rumex crispus ) ist ein bemerkenswertes Beispiel. Diese Pflanzen wachsen oft in trockenen Gebieten und werden als selbstbewässernd bezeichnet. Die Kräuselungen des Blattes fangen Regen, Nebel und Tau auf. Sie leiten das Wasser zur zentralen Blattader. Schließlich gelangt das Wasser zur Wurzel. Blüte: Grünliche Blüten von Juni bis August. Fruchtstand: Valven (innere Perigonblätter) sind ganzrandig mit Schwiele. | Wurzel: Oberflächennahes, daumenendglieddickes Rhizom. Blätter: Groß, breit, herzförmig am Grund. Blüte: Grünliche bis rötliche Blüten. Fruchtstand: auch hier sind Valven vorhanden. Früher wurde sogar Unkraut gejätet und mit Rindenstücken und Sägespänen gemulcht. Damit er gut gedeihen konnte. (Jerosch Brockmann, 1921) |
In Vorarlberg finden wir im Alpinenbereich sehr oft Rumex alpinus. Er ist unbelastet und kann gut geerntet werden.
Rumex crispus: Traditionell wird die Wurzel zur Behandlung von Hauterkrankungen, Verstopfung und als Blutreinigungsmittel eingesetzt. Sie wirkt abführend, galleanregend und entgiftend. Je nach Dosierung wirkt er gegen Durchfallerkrankungen.
Er ist mäßig reich an organischen Eisenverbindungen und scheint aber das in der lebergespeicherte Eisen freizusetzen. Rumex unterstützt Prozesse, bei denen die Leber überlastetes oder fälschlich gespeichertes Eisen ausleitet bzw. abbaut, insbesondere bei Hämatochromatose oder Entgiftungsstörungen. Das ist bemerkenswert und auch ein Grund, warum er in der Volksheilkunde bei Eisenanämie verwendet wird. Sehr gut eignet sich eine Kombination mit Randig.
Studienlage
Es gibt wenig direkte Forschung dazu, dass Rumex „gespeichertes Eisen auflöst“. Aber:
- Traditionell wird Rumex bei Eisenanämien, Hautproblemen, rheumatischen Beschwerden und Lymphstau eingesetzt.
- In der humoralmedizinischen Denkweise geht man eventuell davon aus, dass überaktive Leberfunktionen durch Rumex moduliert werden.
Rumex alpinus: Historisch wurde er als Ersatz für den Medizinalrhabarber verwendet und weiters für das Vieh als Mastfutter eingesetzt. Man würde es kaum glauben aber er gilt als eines der ältesten Gemüsearten im Alpenraum. (lt. Jerosch Brockmann) Verwendet wurden alle Pflanzenteile.
Besonders bei Alpinus gibt es weitere Hinweise, dass er bei Blähungen und Husten verwendet wurde und der Absud bei Durchfallerkrankungen verwendet wurde.
| Energetik: beide kühlend und leicht trocknend | Eigenschaften: blutreinigend, adstringierend und leberstärkend |
| Verwendete Pflanzenteile: Hauptsächlich die Wurzel wird medizinisch genutzt. | Inhaltsstoffe: Die Wurzeln enthalten Gerbstoffe (3–6%) und Anthrachinone. Sie enthalten auch Oxalsäure, Eisen, Vitamin C und B₁. Weiterhin sind Stärke, Phytosterole, harzige Bestandteile, Fettsäuren, Zucker und ätherisches Öl enthalten. |
| Standardabkochung: 60-120 ml 2-mal täglich |
| Tinktur 1:2 in 95% Alkohol oder getrocknet 1:5 in 60 % Alkohol, Dosierung: 10 Tropfen 3-mal täglich |
| Pulver verkapseln und 100 mg 3-mal täglich. Achtung, umso lockerer der Stuhlgang, umso niedriger muss dosiert werden. |
Giftigkeit
• Anthrachinone (Chrysophanol, Emodin, Physcion) ca. 0,35 – 4,0 %
Laxierende (abführende) Wirkung ((Demirezer 1994;
Demirezer and Kuruuzum 1995; List and Hörhammer 1973;
Mills and Bone 2005). Und in hoher Dosis potenziell lebertoxisch
• Oxalsäure & Oxalate (15 – 45 mg/100 g Frischmasse)
Können Calcium im Blut binden → Hypokalzämie (Calciummangel)
Es kann zur Bildung von Calciumoxalat-Kristallen in den Nieren führen → Nierenschädigung oder -versagen
• Nitrat
Kann im Körper zu Nitrit reduziert werden, was die Sauerstoffaufnahme im Blut hemmen kann.
• Toxine wie Rumicin
Mögliche zusätzliche toxische Wirkungen sind noch nicht vollständig erforscht.
• Tannine bis zu 12 – 20 % (List and Hörhammer 1973)
Untersuchungen haben gezeigt, dass es wirklich großer Mengen für eine Vergiftung bedarf. Ein Todesfall wurde dokumentiert. Ein 53-jähriger insulinabhängiger Diabetiker hatte mit seiner Familie 1 kg gelben Ampfer (die verwendeten Teile sind nicht bekannt) verzehrt. Die Personen die wenig gegessen haben, zeigten leichte Vergiftungssyptome (Reig et al. 1990). Es kam auch zu Vergiftungen bei einer Schafherde. Innerhalb von 40 Stunden nach dem Weidegang konnten diese festgestellt werden. Proben ergaben einen Oxalsäurewert von 6,6 – 11,1 %. (Panciera et al. 1990)
Vorsicht / Kontraindikationen
- Bei Nierensteinen oder Oxalatproblemen darauf verzichten!
- Nicht bei akuten Eisenmangelzuständen als alleinige Therapie. Nur mit Absprache des behandelnden Arztes anwenden.
- Beachte in hoher Dosis kann es abführend wirken.
Ergänzung zu den Eigenschaften:
blutreinigend, adstringierend, leberstärkend, Gallenfluss fördernd
Felter 1922 empfiehlt Rumex unteranderem bei verdorbenen Blut, mit Hautstörungen, geringe Drüsen- und Zellablagerungen, mit Neigung zu Geschwüren, bei Kurzatmigkeit – Dyspnoe, epigastrisches Völlegefühl.
Magie und Aberglaube:
Im germanischen Aberglauben dachte man die Samen von Rumex haben eine heilende Wirkung gegen Geschlechtskrankheiten.
Hinweis:
Im Arzneibuch der Vereinigten Staaten von Amerika von 1890 wurden „die Wurzeln von Rumex crispus und einigen anderen Rumex-Arten“ offiziell aufgeführt. So findet auch Rumex obtusifolius die gleiche Verwendung. Hierbei handelt es sich um den Stumpfblättrigen Ampfer, welcher in Vorarlberg auch sehr viel vor kommt. Aber der Gelbe Ampfer (Rumex crispus) ist die Art, die am häufigsten in der Medizin verwendet wird. Allerdings ist dieser bei uns in Vorarlberg eher selten. Der Ampfer wird vor allem zur Blutreinigung und zur Behandlung von Hautkrankheiten verwendet.
Historisches:
Gilbert und P. Lereboullet haben eine bemerkenswerte Eigenschaft von Rumex crispus entdeckt. Den Wurzeln dieser Pflanze wird nämlich die Fähigkeit zugeschrieben, dass im Boden vorhandene Eisen aufzunehmen und in Form von organischen Eisenverbindungen zu fixieren. Rumex soll gute Ergebnisse bei der Behandlung von Chlorose und Anämie liefern. Die Autoren verabreichten die getrocknete und pulverisierte Wurzel während der Mahlzeiten in Dosen von fünfzehn bis fünfundvierzig Körnern (1 – 3 g) und betrachten sie aufgrund ihrer guten Ergebnisse als wertvolle Eisenmedizin.
George G. Flemyng (L. L., i, 1896) berichtete über den Tod zweier Schwestern im Alter von fünf bzw. sechseinhalb Jahren, dem Symptome einer Oxalsäurevergiftung infolge der Einnahme von Sauerampferblättern vorausgingen. (United States Dispensatroy 1918)
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.
