7 starke Johanniskraut Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Johanniskraut und seine Wirkung – wer echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) kennt, weiß um seine kraftvollen Wirkstoffe wie Hypericin, Hyperforin und Hyperosid. Diese Inhaltsstoffe sind für die beruhigende und antidepressive Wirkung verantwortlich und geben dem Johanniskraut seine besondere Bedeutung in der Volksheilkunde.“

Johanniskraut Inhaltsstoffe
Johanniskraut Inhaltsstoffe

Es gibt viele verschiedene Johanniskräuter bei uns. Aber in der Volksheilkunde verwenden wir hauptsächlich Hypericum perforatum das Echte Johanniskraut.

Wie du das echte Johanniskraut erkennst, lernst du in meinem Lehrgang zum/zur Dipl. Kräuterexperte*in.

Johanniskraut Inhaltsstoffe genau erklärt:

Hypericin ist ein Diantron und hauptsächlich in den Exkretblätter der Blüten und Knospen vorhanden. Meistens ist es in etwa zwischen 0,1 und 0,3 % vorhanden, was aus Hypericin sowie Pseudohypericin und ähnlichen weiteren Substanzen besteht. Es ist also reich an phenolischen Verbindungen welche aus 2-4 % Flavonoiden und 7-15 % Catechingerbstoffe besteht. Zusätzlich sind noch verschiedene Terpene enthalten.

Hypericin, das unser Öl rot färbt, ist im Öl ziemlich sicher nicht mehr vorhanden. Durch die lipophilen Abbauprodukte wird das Öl rot gefärbt. Das bedeutet, dass in unserem Ölmazerat kaum noch Hypericin vorhanden ist. Anders verhält es sich mit der Tinktur. Hypericin ist schwer wasserlöslich aber ist in der Tinktur noch etwas erhalten. Es ist gut löslich in stark polaren aprotischen Lösungsmitteln (v. a. DMSO/DMF) und in alkalisierten Medien; in Ethanol/Wasser-Tinkturen ausreichend extrahierbar und verantwortlich für die rote Farbe.

Hypericin ist der Wirkstoff, der für die fototoxische Wirkung verantwortlich gemacht wird. Das bedeutet für uns, wenn wir ein Rotöl auftragen, kommt es in der Regel zu keiner Lichtempfindlichkeit. Allerdings empfiehlt Ursel Bühring trotzdem nicht direkt in die Sonne zu gehen.

Bitte beachte, hier geht es um Hypericin aus dem Johanniskraut, welches in gebundener Form vorliegt. Es geht nicht um Hypericin in Reinform, welches in Wasser nicht löslich ist.

Warum wird die Tinktur rot?
Weil ethanolische (bzw. wässrig-ethanolische) Medien Hypericin/Pseudohypericin effizient aus den dunklen Drüsen der Blüten/Fruchtstände extrahieren; diese Moleküle besitzen ein ausgedehntes π-System mit ausgeprägten Absorptionsbändern im sichtbaren Bereich (~540/590 nm) → rote bis dunkelrote Färbung und rot-orange Fluoreszenz.

Anders kann es sich mit Johanniskrautpräparaten verhalten. Man vermutet die Ursache dafür liegt bei UV-induzierter Bildung von freien Radikalen durch Hypericin. Hier sollte man auf alle Fälle den Rat des behandelnden Arztes einholen.

Hypericin produziert eine starke Wirkung gegen Tumorzellen. Aber es hat keinen Effekt auf gesunde Zellen.

Hyperforin ist ein Phloroglucinderivat welches, öllöslich ist und mit ca. 0,6% vorliegt, gelangt durch einen Sonnenauszug und durch einen Dunkelauszug in das Mazerat. Dies wird aber zu inaktiven Verbindungen abgebaut (Furohyperforin, Oxyhyperforin) und zwar innerhalb weniger Tage, wenn es an der Sonne steht. Bei einem Dunkelauszug kann dieser Abbauprozess verzögert werden. (Wölfle U et al. Topical Application of… Planta Med 2014; 80: 109–120). Hyperforin weist eine wachstumshemmende Wirkung gegenüber gram-positiven und gram-negativen Bakterien auf. Weiters wirkt es bei Antibiotika-Resistenz und wirkt auch in hohen Dosen nicht toxisch für den Menschen. Inzwischen ist man sich sogar sehr sicher, dass Hyperforin hauptverantwortlich für die antidepressive Wirkung ist.

Wie es scheint sind diese beiden Wirkstoffe und Polyphenole für den beruhigenden und antidepressiven Effekte verantwortlich. Experimentell konnten antivirale Effekte aufgezeigt werden. Allerdings sollen Johanniskrautextrakte nur bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirksam sein.

Flavonoide wie Hyperosid bis zu 1,1%, Bioflavone, ätherisches Öl mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen als Hauptkomponenten.

Bei Plinius und Dioskurides war der Artname Hypericum sowie Hypericon schon sehr ähnlich. Perforatum als Artname bezieht sich auf die Öldrüsen im Blatt. Der deutsche Name kommt vermutlich daher, da die Pflanze mehr oder weniger um Johanni zu blühen beginnt.

Achtung: Johanniskraut kann mit recht vielen Medikamenten Wechselwirkungen verursachen. Man sollte dies unbedingt mit dem behandelnden Arzt abklären.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Quelle:

spektrum.de

aerzteblatt.de/archiv/28514/Hypericumextrakt-Wirksamkeit-haengt-vom-Rutin-Gehalt-ab

kup.at/ Jounal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie von O.Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Siegried Kasper

forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen Hiller/Melzig