Die Neunblättrige Zahnwurz und ihre Verwandten habe ich dir schon vorgestellt.
Zum Nachlesen kannst du gerne hier rein schauen:
Portrait: Zahnwurz
Rezept: Gewebesalbe
Rezept: Gel der Neunblättrige Zahnwurz bei Dehnungsstreifen
Beachte: Es kann passieren, dass du in Vorarlberg/Österreich jemandem begegnest, der dir von einer Sanikel-Salbe erzählt. In den meisten Fällen handelt es sich dann um eine Salbe aus der Zahnwurz-Wurzel. Denn Diese Pflanze wird oft als Wilder Sanikel bezeichnet. Dabei ist aber nicht der Wald-Sanikel – Sanicula europaea gemeint sondern die Zahnwurz. Diese Namensgebung aus dem Volksmund beider Pflanzen, hat zu unheimlichen Verwirrungen geführt. Das hatte zur Folge, dass man genauere Untersuchungen angestellt hat.
Man geht davon aus, dass alle Zahnwurzarten verwendet werden können. Allerdings hat sich in alten Überlieferungen Cardamine enneaphyllos durchgesetzt.
Es gab große Probleme mit Verfälschungen oder Verwirrungen mit dem Hänge-Schaumkraut (heute Neunblättrige Zahnwurz) und dessen Volksname Saunigl.
Gemeint ist also Cadramine enneaphyllos und nicht der Wald Sanikel – Sanicula europaea. In alten Büchern wird sie oft als Hänge-Schaumkraut bezeichnet. Nicolas Lémery schrieb 1737 über die wundheilende Wirkung vom Hänge-Schaumkraut. Dabei handelte es sich früher um Radix Saniculi/Saniculae. (Heute Radix Caramine enneaphyllos)
Allerdings passiert es um ca. 1904, dass man auch zur Droge des Holz-Sanikel (heute Wald-Sanikel) also Sanicula europaea, Radix Saniculi/Saniculae sagte.
Das kam nun einem heillosen Durcheinander gleich. Es waren genaue Untersuchungen nötig, um festzustellen um welche Droge es sich denn nun tatsächlich handelte. Auch in Büchern war nicht mehr klar, von welcher Pflanze man berichtete. Verflälschungen waren vorprogrammiert.
Im Jahr 1985 veröffentlichten Jurenitsch et al. seine Entdeckung der Identifizierung von mehreren Substanzen in der Wurzel des Schaumkrautes. Es zeigte sich nämlich das Vorkommen von
- Cleomin
- Sisymbrin
- Echte Glucosinolate:
- Glucocleomin
- Glucosisymbrin
Die Wissenschaft wollte es genau wissen und hat beide Pflanzen mit ihren oberirdischen und unterirdischen Teilen verglichen.
Die phytochemische Analysen methanolischer Extrakte von Radix und Herba Saniculae wurden durchgeführt. Ebenso wurden Analysen von Radix Cardamines enneaphyllos vorgenommen. Die Analysen von beiden Pflanzen ergaben das Vorhandensein bioaktiver Verbindungen. Diese Verbindungen haben eine potenzielle Wirkung auf die Wundheilung. Trotz ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Verbindungsklassen und verschiedener Wirkmechanismen, zeigten die Extrakte Gemeinsamkeiten in ihrer chemischen Zusammensetzung. Dies lässt darauf schließen, dass sie ähnliche bioaktive Eigenschaften besitzen und möglicherweise synergistisch zur Unterstützung der Wundheilung beitragen können. Das erklärt auch warum in Österreich beide Pflanzen für die Wundheilung nach wie vor verwendet werden.
In der Volksmedizin werden von Kennern beide Pflanzen für ihre wundheilende Wirkung geschätzt. Wissenschaftlich sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.
Tinktur Cardamine enneaphyllos:
| Im Verhältnis 1:3 20 g Wurzel, klein geschnitten 60 ml Korn 60% | Wurzel klein schneiden und in ein Glas geben und mit Korn übergießen. Für mindestens 10 Tage oder eine Mondphase ausziehen. Täglich schütteln. |
| Diese Tinktur kannst du direkt als Einreibung verwenden oder ein Gel herstellen. Weiters ist es möglich diese auch in ein Creme Rezept einzuarbeiten. | Nach der Ziehzeit wird abgefiltert und die Tinktur in saubere Flaschen gefüllt. |
Tipp:
Da Cardamine enneaphyllos in Vorarlberg nicht vorkommt, habe ich sie mir in den Garten geholt. Meine Pflanzen habe ich damals in einer Staudengärtnerei bestellt. Es hat ein paar Anläufe benötigt, um für die Pflanzen den richtigen Platz im Garten zu finden. Aber nun erfreuen sie mich jedes Jahr.
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.
Quelle: mdpi.com; Volksmed database; ouci.dntb.gov.ua; pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39861619; phaidra.univie.ac.at;
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