Neunblättrige Zahnwurz: Rezept für einen potenten Ölauszug

Im fast letzten Teil zur Neunblättrigen Zahnwurz machen wir noch einen Ölauszug. Bei der Neunblättrigen Zahnwurz handelt es sich um eine typische Pflanze aus der österreichischen Volksheilkunde.

Neunblättrige Zahnwurz – Cardamine enneaphyllos ©Marlies Schneider

Spezifische Informationen über die Inhaltsstoffe der Neunblättrigen Zahnwurz und deren Löslichkeit in verschiedenen Extraktionsmitteln sind in den verfügbaren Quellen nicht detailliert beschrieben. Allgemein enthalten Pflanzen der Gattung Cardamine verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe wie Glucosinolate und Flavonoide, die für ihre bioaktiven Eigenschaften bekannt sind. Um genaue Daten über die Inhaltsstoffe von Cardamine enneaphyllos und geeignete Extraktionsmittel zu erhalten, wären spezifische phytochemische Studien erforderlich. Früher hat man die Wurzel in Schweineschmalz ausgezogen. Allerdings wie das von statten ging, ist nicht überliefert.

Heutzutage hilft einem aber auch ein bisschen Phytochemie weiter, um zu überlegen, ob ein Öl-Mazerat denn überhaupt sinnvoll ist.

Betrachten wir die Inhaltsstoffe noch einmal genauer. Wir haben Cleomin und Sisymbrin, sowie ihrer echten Glucosinolate Glucocleomin und Glucosisymbrin.

Sisymbrin und Cleomin sind beide auch Glucosinolate, die in Pflanzen der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) vorkommen. Ihre Löslichkeit entspricht der typischen Löslichkeit von Glucosinolaten: Wasser oder Alkohol.

Sisymbrin (ein Glucosinolat)

  • Gut löslich in:
    • Wasser (wegen der hydrophilen Struktur)
    • Wässrige Alkohole (Methanol-Wasser, Ethanol-Wasser-Gemische)
    • Gepufferte Lösungen (z. B. mit Ammoniumacetat)
  • Schlecht löslich in:
    • Reinen organischen Lösungsmitteln (z. B. Aceton, Chloroform, Hexan)
    • Ölen und Fetten (wegen der polaren Struktur)

Cleomin (ebenfalls ein Glucosinolat)

Die Löslichkeit von Cleomin ist vergleichbar mit der von Sisymbrin, da beide zur gleichen Stoffgruppe gehören.

  • Gute Löslichkeit: Wasser, wässrige Alkohole
  • Schlechte Löslichkeit: Unpolare Lösungsmittel und Öle

Glucosinolate:

Sind wasserlösliche, schwefelhaltige sekundäre Pflanzenstoffe. Ihre Löslichkeit hängt von der Polarität des Lösungsmittels ab:

  • Sehr gut löslich in:
    • Wasser (aufgrund ihrer hydrophilen Struktur)
    • Wässrige Alkohole (Methanol-Wasser, Ethanol-Wasser-Gemische)
  • Schlecht löslich in:
    • Reinen organischen Lösungsmitteln wie Aceton, Chloroform oder Hexan (da diese unpolar sind)

Rezept Öl-Mazerat:

Damit wir nun einen möglichst potenten Öl-Auszug erreichen, bietet sich ein Zwischenlösungsmitte an.

50 g Wurzel, getrocknet und zerkleinert, werden zuerst mit
2/3 Alkohol 60 % benetzt.


Dann lässt man es für mindestens zwei Stunden luftdicht abgedeckt ziehen.
Bei diesem Alkoholgehalt hast du noch 40 % Wasser dabei. Schlau oder?
Anschließend kann man die Wurzel im Verhältnis 1:4 in Öl ausziehen.
50 g Wurzel, befeuchtet wie nasser Sand
200 ml Olivenöl
Nun werden die Zutaten gemischt und im Stövchen für ca. 8 h ausgezogen. Achte darauf, dass das Öl ca. 60-65 °C erreicht damit der Alkohol abdampfen kann.
Bitte nicht weiter erhitzen.
Nach den 8 Stunden wird das Öl abgefiltert und in dunkle saubere Flaschen gefüllt.

Dieses Öl Mazerat dient als Basis für deine Salbe.

Tipp:

Wenn du dein Öl vor dem Abfiltern stehen lässt, geht es leichter. Lass anschließend das abgefilterte Öl für eine Nacht stehen. Nun setzt sich der Satz und Alkohol/Wasser am Glasboden ab. Nun füllst du erst das Öl in eine Flasche. Den letzten Rest gibst du nicht dazu. So hast du ein sehr schönes, wirksames und sauberes Öl.

Rezept: Gewebebrüche Salbe

Portrait: Neunblättrige Zahnwurz

Rezept: Tinktur und Fakten zur Zahnwurz

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Quelle: mdpi.com; Volksmed database; ouci.dntb.gov.ua; pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39861619; phaidra.univie.ac.at;

Verwirrung um Zahnwurz und Sanikel: Fakten, Nutzung und Tinktur Rezept

Die Neunblättrige Zahnwurz und ihre Verwandten habe ich dir schon vorgestellt.

Zum Nachlesen kannst du gerne hier rein schauen:

Portrait: Zahnwurz

Rezept: Gewebesalbe

Rezept: Gel der Neunblättrige Zahnwurz bei Dehnungsstreifen

Beachte: Es kann passieren, dass du in Vorarlberg/Österreich jemandem begegnest, der dir von einer Sanikel-Salbe erzählt. In den meisten Fällen handelt es sich dann um eine Salbe aus der Zahnwurz-Wurzel. Denn Diese Pflanze wird oft als Wilder Sanikel bezeichnet. Dabei ist aber nicht der Wald-Sanikel – Sanicula europaea gemeint sondern die Zahnwurz. Diese Namensgebung aus dem Volksmund beider Pflanzen, hat zu unheimlichen Verwirrungen geführt. Das hatte zur Folge, dass man genauere Untersuchungen angestellt hat.

Neunblättrige Zahnwurz – Cardine enneaphyllos ©Marlies Schneider

Man geht davon aus, dass alle Zahnwurzarten verwendet werden können. Allerdings hat sich in alten Überlieferungen Cardamine enneaphyllos durchgesetzt.

Es gab große Probleme mit Verfälschungen oder Verwirrungen mit dem Hänge-Schaumkraut (heute Neunblättrige Zahnwurz) und dessen Volksname Saunigl.

Gemeint ist also Cadramine enneaphyllos und nicht der Wald Sanikel – Sanicula europaea. In alten Büchern wird sie oft als Hänge-Schaumkraut bezeichnet. Nicolas Lémery schrieb 1737 über die wundheilende Wirkung vom Hänge-Schaumkraut. Dabei handelte es sich früher um Radix Saniculi/Saniculae. (Heute Radix Caramine enneaphyllos)

Allerdings passiert es um ca. 1904, dass man auch zur Droge des Holz-Sanikel (heute Wald-Sanikel) also Sanicula europaea, Radix Saniculi/Saniculae sagte.

Das kam nun einem heillosen Durcheinander gleich. Es waren genaue Untersuchungen nötig, um festzustellen um welche Droge es sich denn nun tatsächlich handelte. Auch in Büchern war nicht mehr klar, von welcher Pflanze man berichtete. Verflälschungen waren vorprogrammiert.

Im Jahr 1985 veröffentlichten Jurenitsch et al. seine Entdeckung der Identifizierung von mehreren Substanzen in der Wurzel des Schaumkrautes. Es zeigte sich nämlich das Vorkommen von

  • Cleomin
  • Sisymbrin
  • Echte Glucosinolate:
    • Glucocleomin
    • Glucosisymbrin

Die Wissenschaft wollte es genau wissen und hat beide Pflanzen mit ihren oberirdischen und unterirdischen Teilen verglichen.

Die phytochemische Analysen methanolischer Extrakte von Radix und Herba Saniculae wurden durchgeführt. Ebenso wurden Analysen von Radix Cardamines enneaphyllos vorgenommen. Die Analysen von beiden Pflanzen ergaben das Vorhandensein bioaktiver Verbindungen. Diese Verbindungen haben eine potenzielle Wirkung auf die Wundheilung. Trotz ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Verbindungsklassen und verschiedener Wirkmechanismen, zeigten die Extrakte Gemeinsamkeiten in ihrer chemischen Zusammensetzung. Dies lässt darauf schließen, dass sie ähnliche bioaktive Eigenschaften besitzen und möglicherweise synergistisch zur Unterstützung der Wundheilung beitragen können. Das erklärt auch warum in Österreich beide Pflanzen für die Wundheilung nach wie vor verwendet werden.

In der Volksmedizin werden von Kennern beide Pflanzen für ihre wundheilende Wirkung geschätzt. Wissenschaftlich sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.

Tinktur Cardamine enneaphyllos:

Im Verhältnis 1:3
20 g Wurzel, klein geschnitten
60 ml Korn 60%
Wurzel klein schneiden und in ein Glas geben und mit Korn übergießen.
Für mindestens 10 Tage oder eine Mondphase ausziehen. Täglich schütteln.
Diese Tinktur kannst du direkt als Einreibung verwenden oder ein Gel herstellen.

Weiters ist es möglich diese auch in ein Creme Rezept einzuarbeiten.
Nach der Ziehzeit wird abgefiltert und die Tinktur in saubere Flaschen gefüllt.

Tipp:

Da Cardamine enneaphyllos in Vorarlberg nicht vorkommt, habe ich sie mir in den Garten geholt. Meine Pflanzen habe ich damals in einer Staudengärtnerei bestellt. Es hat ein paar Anläufe benötigt, um für die Pflanzen den richtigen Platz im Garten zu finden. Aber nun erfreuen sie mich jedes Jahr.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Quelle: mdpi.com; Volksmed database; ouci.dntb.gov.ua; pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39861619; phaidra.univie.ac.at;