Die besten Methoden zum Abfiltern von Öl-Mazeraten

Öl abfiltern, hilfreiche Tipps für Kräuter-Ölmazerate ©Marlies Schneider

Ich werde oft in meinen Kursen gefragt, wie man denn optimal ein Öl-Mazerat abfiltern kann.

Meistens sind es bei mir drei Filtervorgänge. Als erstes lasse ich das Öl durch ein Sieb laufen. Nun lasse ich das Becherglas mit dem Öl 1-2 Tage stehen damit sich der Satz absenkt.

Anschließend filtere ich mein Öl mit einem Edelstahl Kaffeefilter ab. Ich lasse das Öl vorsichtig ohne schütteln durch den Filter. Erst am gegen Ende kommt der Satz. Nun läuft das Öl sehr langsam durch. Anschließend lasse ich es wieder für 2-3 Tage im Becherglas stehen. Ich decke das Öl immer mit einem Tuch ab damit kein Staub in das Öl gelangen kann. Nach 2-3 Tagen haben sie nun die verbliebenen Schwebeteile im Öl abgesetzt.

Nun kommt es zur dritten und finalen Filterung. Dafür verwende ich einen Büchner Trichter und ein passendes Filterpapier. Nun habe ich an meinen Glasfiltrationskolben eine Handvakuumpumpe angeschlossen. Mit dieser geht das abfiltern relativ gut. Mit Unterdruck bekommt man das Öl gut durch den Filter. Trotz allem benötigt auch dieses seine Zeit und man sollte Geduld mitbringen.

Zum Schluss hat man eine sehr gute Ölqualität welche kaum mehr Schwebestoffe aufweist. Dies Art des Abfilterns ist für den Hausgebrauch recht praktisch.

Öl abfiltern, hilfreiche Tipps für Kräuter-Ölmazerate ©Marlies Schneider

Im Video siehst du gerade mein Johanniskraut Öl. Ich habe es im Magical Butter Maker bei 54°C für 3×2 Stunden ausgezogen.

Mehr zum Rotöl findest du hier: Johanniskraut Mazerat herstellen

Hier geht es zum Rezept meiner Schüttellotion: Johanniskraut/Rose

Hypericin und Hyperforin

Beachte nur das Echte Johanniskraut weit Hyperforin auf. Hypericin weist jedes Johanniskraut auf. Allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen. Wie du das Echte Johanniskraut erkennen kannst, lernst du in meinem FNL-Kräuterexpertenlehrgang nach Ignaz Schlifni.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Haftungsausschluss/Disclaimer

Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Mazerat aus Johanniskraut: Tipps zur Herstellung

Johanniskraut (Hypericum perforatum) als Ölauszug ist wunderbar für die Hautregeneration. Es ist auch besonders hilfreich nach einem Sonnenbad. Zudem eignet es sich zur Narbenpflege und bei Prellungen oder Verstauchungen. Ein Sonnenbrand ist zwar nicht weg nach dem Auftragen von Johanniskrautöl aber es lindert die Schmerzen sehr rasch.

Für ein Öl-Mazerat gibt es ganz verschiedene Ansätze. 

Hier meine Variante:

Ich stoße die Blüten, mit dem oberen Kraut der Pflanze, mit etwas Öl im Mörser an. Beachte, dass ich Knospen, Blüten und verblühte Pflanzenteile für das Mazerat verwende. Die verblühten Pflanzenteile (grüne Früchte) benötige ich, um das wertvolle Hyperforin auszuziehen. Dieser Stoff ist entzündungshemmend. Er ist genauso wichtig wie das bekannte Hypericin. Witzigerweise sprechen viele immer nur vom antiviralen Hypericin. Sie vergessen oft, dass noch viel mehr aus der Pflanze zu holen ist. Dazu gehört das antibiotisch wirksame Hyperforin. 

Dabei gibt es einiges zu wissen:

  1. Ursel Büring sagt, es wurde schon in historischen Büchern erwähnt, dass das Johanniskrautmazerat in Tontöpfen ausgezogen wurde. (Die Forschungsgruppe von Dr. Schempp / Freiburger Universitäts-Hautklinik empfiehlt die Extraktion im Dunklen vorzunehmen. Sogar im Mittelalter wurde das Johanniskrautöl dunkel ausgezogen, lt. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde.) Eigentlich wissen wir ja auch alle, dass Öl und Sonne keine gute Kombination ist. Es kommt zur Oxidation, das Öl wird viel zu rasch ranzig. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Öl in Kombination mit Kräutern widerstandsfähiger ist. Es wird nicht so schnell ranzig wie ein Öl allein in der Sonne. Die Pflanzen ergeben mit dem Öl eine erstaunlich stabile Kombination. Diese Erkenntnis hat viele Experten überrascht. Das hört sich jetzt gar nicht so schlecht an. Doch ein weiteres Problem ist das Aufheizen des Öles, welches wir nicht kontrollieren können. Das Öl kann also eine sehr hohe Temperatur aufweisen. Das wiederum würde mehr schaden als nützen.

  1. Schlussendlich musst du selbst beurteilen, wie du dein Öl herstellen willst. Manchmal ist man allerdings froh, wenn man mehr über die Herstellung von Öl-Mazerate erfährt.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es bedarf keine Sonne, um ein schönes Rotöl zu erhalten. Beachte aber, je nach verwendetem Öl wird das Mazerat heller oder dunkler. Klassisch wird Olivenöl verwendet, manche schwören sogar darauf. Das Öl selbst ist schon grünlich und das Rotöl wird eher dunkel. Verwendest du Sonnenblumenöl, wird das Rotöl heller bleiben. Wie du oben auf meinem Foto sehen kannst. In meiner Heilpflanzenjahresausbildung, vor einigen Jahren, habe ich gelernt, dass ein Sonnenkraut auch mit einem Sonnenöl ausgezogen werden soll. Nun, ich mache allerdings immer zwei Mazerate. Eins mache ich mit Olivenöl. Eines mache ich mit Sonnenblumenöl. Manchmal darf es auch Jojobaöl sein (streng genommen ist das ein Wachs). Ich verwende sie unterschiedlich.

1. Variante (nicht empfohlen): Wenn du das Pflanzenmaterial etwas im Mörser verrieben hast, kannst du das Glas mit Öl aufgießen. Lass das Ganze mit einem Tuch bedeckt ausziehen. Ein Tuch sollte deshalb verwendet werden, damit noch Feuchtigkeit entweichen kann, und dies dauert ein paar Tage. Damit kein Staub ins Glas gelangt, gibt man ein Tuch darüber. Nach ein paar Tagen kannst du das Glas verschließen. Dann haben sich die Kräuter meist auch abgesenkt, und nun lässt du sie für 4-6 Wochen ausziehen. Dieses Verfahren verwende ich nicht mehr, da hier eine Verkeimung sehr wahrscheinlich ist.

Wenn du ein noch stärkeres Öl möchtest, kannst du das Pflanzenmaterial nach dieser Zeit abseihen und die Prozedur wiederholen. Du verwendest dabei als Menstruum dein fertiges Rotöl und nicht nochmal das Öl deiner Wahl. Du nimmst also neue Kräuter (zerstoßen) und übergießt diese mit dem Rotöl. Beachte, dass dies dann ein sehr starkes Mazerat ergibt.

Beachte:

Botulismus ist eine Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum ausgelöst wird. Dieses Bakterium produziert unter bestimmten Bedingungen – insbesondere bei Sauerstoffmangel – eines der stärksten bekannten Nervengifte.

Dieses Bakterium entsteht bei Kaltansätzen und lässt sich normalerweise nicht verhindern. Denn es ist ein natürlicher Vorgang wenn frisches Pflanzenmaterial verwendet wird.

Fakten:

Das Bakterium Clostridium botulinum ist anaerob, d. h., es vermehrt sich dort, wo kein Sauerstoff ist – z. B. in Öl. Wenn dann noch Wasseranteile aus frischen Kräutern dazukommen, entsteht ein ideal feuchtes, sauerstoffarmes Milieu. Dies sind perfekte Bedingungen für das Bakterium. In einem solchen Fall kann sich das Gift bilden.

2. Variante (sehr empfehlensert): Das schönste Johanniskraut Öl habe ich im Magical Buttermaker heraus bekommen. Dieses habe ich 8 h bei konstanten 54°C ausgezogen. Der Nachteil ist, nicht jeder hat diese Maschine zu hause. Ich habe aber gehört, dass ein neuerer Termomix das inzwischen auch kann.

3. Variante: Ich püriere das Pflanzenmaterial mit dem Öl und ziehe es im Stövchen bei maximal 60°C aus. Das Öl muss immer gut kontrolliert werden. Wird es zu heiß, zerstört man das Hyperforin, was nicht Zielführend ist. Anschließend lass ich die Kräuter für 2-3 Tage Öl ziehen. Abfiltern fertig. Dieses Verfahren ist etwas sicherer bezüglich einer Verkeimung.

4. Variante (sehr empfehlenswert): Ich gebe einen Schuss Alkohol 80 % Korn und lasse sie für 24 h in einem Schraubglas ziehen. Am nächsten Tag gebe ich den Ansatz in mein Töpfchen und ziehe das Öl für ca. 8 h bei kontrollierter Hitze aus (maximal 60°C). Danach lass ich das Öl für 2-3 Tage ziehen, immer wieder umrühren. Abfiltern fertig. Ich arbeite eigentlich so gut wie nur mit dieser Methode die Michale Moor (1941-2009) schon angewendet hat. In der Regel bereite ich das Pflanzenmaterial so vor und ziehe es im Magical Buttermaker aus.

Es gibt noch weitere Studien zum Rotöl und seinen Flavonoiden von Isacchi und Arsic et al. Isacchi hier bei wurde nur das lipophilere Biflavon Biapigenin gefunden und Arsic fand nur Quercetin im Rotöl und nur bei frischem Pflanzenmaterial.

(researchgate.net/publication/5923850_Analysis_and_stability_of_the_constituents_of_St_John’s_wort_oils_prepared_with_different_methods 2007)

Leider wurden bei Isacchi keine Vergleiche mit frischen Blüten in der Sonne und frische Blüten in einem hellen Zimmer, bzw. als Dunkelauszug gemacht. Diese Studie kann keinen Vergleich ziehen. Bei dieser Studie bleibt unklar, ob es besser ist, das Öl dunkel oder in der Sonne zu extrahieren. Da die Studien von Prof. Dr. med. Christoph M. Schempp, Universitäts-Hautklinik, Freiburg 2014 neuer sind, beziehe ich mich auf seinen Rat und bleibe beim Dunkelauszug. Hierbei handelt es sich um die jüngsten Erkenntnisse die wir zum Johanniskraut Öl haben.

Wichtig: Das Hyperforin baut sich auch beim Lagern im Dunkeln mit der Zeit ab. Daher sollte das Öl jedes Jahr neu hergestellt werden.

Dein Rotöl kannst du nun für Salben verwenden. Du kannst es auch zur Narbenpflege nutzen oder für was auch immer. Alternativ machst du eine Schüttellotion daraus.

Beachte: Johanniskraut fördert nicht wirklich die Lichtempfindlichkeit wie oft behauptet, wenn man von einem gesunden Menschen ausgeht. Dazu gibt es inzwischen seriöse Studien zumindest betrifft dies den Ölauszug. Man würde schon höhere Dosen an Johanniskraut-Präparaten wie Pastillen, Tabletten oder Tinkturen benötigen damit man von einer Lichtempfindlichkeit sprechen könnte. Meist bezieht sich dieses Problem auf Menschen mit einer starken Medikamenteneinnahme oder Menschen die besonders hellhäutig sind. Es empfiehlt sich im Bedarfsfall Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten.

Achtung: Johanniskraut kann mit recht vielen Medikamenten Wechselwirkungen verursachen. Man sollte dies unbedingt mit dem behandelnden Arzt abklären.

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz

Quelle:

thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0033-1351019.pdf Planta Med 2014 

researchgate.net/publication/5923850_Analysis_and_stability_of_the_constituents_of_St_John’s_wort_oils_prepared_with_different_methods 2007

chemie.de/Lexikon/Echtes_Johanniskraut

Praxis Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Bühring

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Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.

Glycerite selber machen: Ein umfassender Leitfaden

Pflanzliches Glycerin ist eine weitere Möglichkeit, um Pflanzenextrakte herzustellen. Im englischsprachigen Raum kennt man dieses Auszugsverfahren schon sehr lange. Warum dieses Auszugsverfahren bei uns noch nicht richtig bekannt ist, ist mir eigentlich schleierhaft.

Drei Glasgefäße mit verschiedenen Pflanzenauszügen in Glycerin, die farbige Blumen- und Blütenbestandteile enthalten, mit dem Text "GLYCERITE HERSTELLEN" oben und "Tipps" darunter.
Pflanzenauszug mit Glycerin – Glycerite selber machen ©Marlies Schneider

 

Was ist Glycerin?

Die chemische Formel von pflanzlichem Bio-Glycerin (auch einfach „Glycerin“ oder „Glycerol“) ist:

C₃H₈O₃


Strukturformel:

HO–CH₂–CHOH–CH₂–OH

Das bedeutet, Glycerin besteht aus:

  • 3 Kohlenstoffatomen (C)
  • 8 Wasserstoffatomen (H)
  • 3 Sauerstoffatomen (O)
    → und hat drei Hydroxygruppen (-OH), weshalb es ein dreiwertiger Alkohol (Triol) ist.

Pflanzliches Glycerin ist eine fast geruchlose und eine farblose dickflüssige Substanz. Es handelt sich dabei um eine natürliche Substanz und gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole. Es wird unter anderem aus Mais, Soja, Palmen-, oder Kokosöl gewonnen. Allerdings kann es auch tierischen Ursprungs sein. 

Glycerin wurde so um 1789 entdeckt und wird schon seit ungefähr 1846 für Pflanzenauszüge gebraucht. Es ist nicht gleichzusetzen mit einer alkoholische Tinktur, ich glaube da kommt bis lang kein Auszugsverfahren hin. Aber Glycerin bietet immerhin eine Alternative zur alkoholischen Tinktur.

Auszüge mit Glycerin werden oft als Glycerite, Glyzerat oder als glyco-extrakt benannt.

Glycerin ist eine dicke, gallertartige Flüssigkeit mit süßem Geschmack, welche durch die Fermentation von Zucker gewonnen wird. Es kann aber auch durch chemische Verfahren synthetisiert werden.

Glycerin findet in unserer Kosmetikindustrie große Anwendungen. Aber auch in der Kräuterindustrie wird es vielseitig verwendet. Achte einmal auf die Zutaten eines Hustensirups den du aus der Apotheke erworben hast. Oft werden diese auf Glycerinbasis hergestellt. Besonders dann, wenn es sich um Kindersäfte handelt.

Was löse ich mit Glycerin?

Das ist wohl die meist gestellte Frage wenn es um dieses Menstruum geht. Schauen wir uns Glycerin doch etwas genauer an.

1. Glycerin kann Stoffe lösen – ähnlich wie Wasser und einfache Alkohole

Glycerin ist ein dreiwertiger Alkohol (ein sogenanntes Polyol) und weist sowohl hydrophile (wasserliebende) als auch alkoholtypische Eigenschaften auf. Das bedeutet:

  • Es kann polare Stoffe (z. B. Salze, Zucker, einige pflanzliche Wirkstoffe wie Flavonoide) gut lösen – wie Wasser.
  • Es kann auch leicht lipophile bzw. organische Verbindungen lösen – wie aliphatische Alkohole (z. B. Ethanol oder Propanol), also Alkohole mit einer unverzweigten oder verzweigten Kohlenstoffkette.

2. Lösungsmittelwirkung in kosmetischen und pflanzlichen Zubereitungen

Durch diese Doppelnatur kann Glycerin:

  • Wirkstoffe aus Pflanzen extrahieren (z. B. in Glyceriten).
  • In kosmetischen Rezepturen sowohl wasserlösliche als auch manche fettlösliche Stoffe stabil in Lösung halten.
  • Als Trägerstoff für Aromen, Duftstoffe oder Wirkstoffe dienen.

3. Vergleich mit Wasser und aliphatischen Alkoholen

StoffLöst gutPolaritätBeispielstoffe
WasserHochpolare StoffeSehr polarZucker, Salze, pflanzliche Glykoside
Alkohol (Ethanol)Polare & leicht lipophile StoffeMittel-polarÄtherische Öle, manche Alkaloide, Harze
GlycerinPolare & leicht lipophile StoffeRelativ PolarPflanzenschleime, Gerbstoffe, Aromen

Fazit:

Mit dieser Aussage wird betont, dass Glycerin ein vielseitiges Lösungsmittel ist, das in der Lage ist, sowohl wasserlösliche als auch manche organisch lösliche Substanzen zu lösen – ähnlich wie Wasser und einfach gebaute Alkohole. Das macht es so wertvoll in Pharmazie, Kosmetik und Kräuterkunde.

Wasserlösliche Stoffe und auch Farbstoffe wie zum Beispiel Anthocyiane, welche zu den Flavonoiden zählen, lassen sich mit Glycerin wunderbar ausziehen.

Bei Glycerite handelt es sich also um pflanzliche Auszüge, bei denen das Lösungsmittel Glycerin ist. Um so einen Auszug zu machen, empfehle ich auf pflanzliches Bio-Glycerin zurück zugreifen. Ich kaufe immer eine PH.EUR Qualität welche auch für Arzneimittel und Lebensmittel zugelassen ist.

Alles in allem ist Glycerin eher schlechtes Lösungsmittel. Das bedeutet, dass die Einnahme von einer Glycerintinktur wesentlich höher ausfällt als bei einer alkoholischen Tinktur.

Eine Standarddosierung beläuft sich im Allgemeinen auf ca. 1 El pro Erwachsener und 1 Tl pro Kind. Man beachte allerdings wie auch bei den alkoholischen Tinkturen, es kommt immer auf die Pflanze an.

Was heißt „pflanzlich“ bzw. „Bio“ dabei?

Die Herkunft bezieht sich auf den Ausgangsstoff:

  • Pflanzliches Glycerin wird durch Verseifung oder Umesterung von pflanzlichen Ölen und Fetten gewonnen, meist aus Kokosöl, Palmöl oder Sojaöl.
  • Bio-Glycerin stammt zusätzlich aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft, d. h. ohne synthetische Pestizide, Gentechnik etc.

Die chemische Struktur bleibt immer gleich, egal ob pflanzlich oder synthetisch hergestellt – es handelt sich stets um C₃H₈O₃. Unterschiede gibt es nur in der Reinheit und Herkunft.

Pflanzliches Bio-Glycerin ist im Handel mit ungefähr 99,6 % erhältlich.

Drei verschiedene Behälter mit Glycerinextraktionen: links ein blauer, geleeartiger Inhalt, in der Mitte Pflanzenmaterial in einer Schüssel mit Flüssigkeit, rechts eine dunkle Glycerinlösung mit kleinen Kügelchen.
Pflanzenauszug mit Glycerin – Glycerite selber machen ©Marlies Schneider

Warum jetzt überhaupt Glycerin als Menstruum?

Diese Art eines Kräuterauszuges ist für all jene die gerne auf alkoholische Tinkturen oder Extrakte verzichten möchten aus welchen Gründen auch immer.

Es ist eine Tinktur, die für Kinder tauglich ist und durch den süßen Geschmack gerne eingenommen wird. Zudem ist sie nicht so stark im Wirkstoffgehalt wie eine alkoholische Tinktur, welches wir bei Kindern gerne bevorzugen.

Um Glycerite selbst herzustellen benötigt man bevorzugt trockenes Pflanzenmaterial. Mit getrocknetem Pflanzenmaterial ist ein Glycerit sicher und stabil und man kann den Wassergehalt gut berechnen.

Wie stelle ich ein Glycerit her?

Grundlagen

  • Verwendetes Glycerin: 99,6 % pflanzliches Glycerin
  • Zielkonzentration (bei getrocknetem Material): 70 % Glycerin / 30 % Wasser
  • Dichte Glycerin (99,6 %): ca. 1,26 g/ml bei 20 °C
  • Glycerin ist hygroskopisch – d. h. es bindet Wasser – und braucht in gewissem Maße Wasser, um gut pflanzliche Wirkstoffe zu extrahieren.
  • Warmer Auszug empfohlen: im Wasserbad über mehrere Stunden (ca. 50 – 60 °C, 2 – 4 Stunden, evtl. auch über mehrere Tage hinweg).

Vergleichstabelle: Glyceritauszug mit frischem vs. getrocknetem Pflanzenmaterial

KriteriumFrisches MaterialGetrocknetes Material
WassergehaltEnthält selbst 70 – 90 % WasserKein Wasser enthalten
Zusatz von WasserKein Wasser zusetzen30 % Wasser zusetzen
Glycerinmenge100 % (reines Glycerin 99,6 %)70 % Glycerin, bezogen auf Gesamtvolumen
ZubereitungsmethodeDirekt mit Glycerin übergießenGlycerin mit Wasser mischen, dann übergießen
Verhältnis Pflanze:Glycerinca. 1:2 bis 1:5, je nach Pflanzeca. 1:5 bis 1:10, je nach Härte des Materials
Auszugsdauer2 – 4 Stunden im Wasserbad (evtl. wiederholen)2 – 4 Stunden im Wasserbad (evtl. wiederholen)
FiltrationNach Abkühlung, durch Teefilter/EtamineNach Abkühlung, ggf. feiner filtern
Haltbarkeit6 – 12 Monate kühl und dunkel gelagertmindestens 12 Monate oder länger

Um dein Glycerit nun gut herzustellen, benötigt der Auszug wärme. Nur durch die Zuführung von Wärme gelangen die Wirkstoffe besser in das Glycerin.

In der Industrie werden die Glycerite für einen Monat in einem Wärmeschrank gestellt und bei konstanter Temperatur bei ca. 40 °C ausgezogen.

Zuhause benötigen wir ein Wasserbad. Größere Mengen ziehe ich bei 54°C im Magical Buttermaker aus.

Berechnung: 70 % Glycerinlösung aus 99,6 %igem Glycerin

Da Glycerin eine Dichte von ca. 1,26 g/ml hat, müssen wir nicht einfach 70 ml Glycerin und 30 ml Wasser mischen, sondern nach Gewicht vorgehen, um die gewünschte Konzentration zu erhalten. Hier habe ich dir eine Rechnung erstellt, wie du das bewerkstelligen kannst.

Beispiel: Du willst 100 g fertige Lösung (Glycerin + Wasser)

Ziel: 70 g Glycerin, 30 g Wasser

  • Volumen Glycerin (in ml) = Gewicht (g) ÷ Dichte (g/ml)
    = 70 g ÷ 1,26 g/ml ≈ 55,6 ml
  • Wasser: 30 g ≈ 30 ml (Dichte von Wasser ≈ 1,0 g/ml)

Mischverhältnis nach Volumen:
ca. 55,6 ml Glycerin + 30 ml Wasser = 85,6 ml Gesamtvolumen
→ ergibt 100 g Lösung mit 70 % Glycerinanteil nach Gewicht

Wenn du lieber 100 ml Lösung nach Volumen herstellen willst, musst du die Werte umrechnen oder wiegen.


Anleitung: Warmer Glyceritauszug im Wasserbad

Mit frischem Pflanzenmaterial

  1. Pflanzenmaterial zerkleinern, ggf. kurz anquetschen.
  2. In ein Schraubglas geben, mit reinem Glycerin (99,6 %) bedecken (z. B. 1:2 oder 1:3 Verhältnis).
  3. Glas verschließen, in ein Wasserbad stellen.
  4. Bei 50 – 60 °C für 2 – 4 Stunden ausziehen lassen, gelegentlich schütteln.
  5. Optional: über mehrere Tage immer wieder erwärmen.
  6. Abseihen, dunkel & kühl lagern.

Mit getrocknetem Pflanzenmaterial

  1. Glycerin-Wasser-Mischung im Verhältnis 70:30 nach Gewicht herstellen.
  2. Getrocknetes, fein geschnittenes Pflanzenmaterial in ein Schraubglas geben.
  3. Mit der Glycerin-Wasser-Mischung im Verhältnis 1:5 bis 1:10 übergießen.
  4. Analog im Wasserbad ausziehen wie oben.
  5. Abfiltern, beschriften, kühl lagern.
Zwei Gläser mit verschiedenen Glyceriten in unterschiedlichen Farben, umgeben von einer Pflanze mit Blüten und einer Flasche mit rotem Inhalt, beschriftet mit "GLYCERITE" und "Tipps".
Pflanzenauszug mit Glycerin – Glycerite selber machen ©Marlies Schneider

Wann kann man ein Glycerit verwenden?

Glycerin wird öfters in der Kosmetik verwenden. Wir können somit ein Glycerit als Wirkstoff in unser Kosmetikprodukt hinzugeben.

Beachte: Ein Glycerit kann den kompletten Glycerinanteil in deinem Rezept ersetzen. Aber bei einer Gesichtscreme sollte das Glycerin nicht mehr als 5 % ausmachen. Ich persönlich bevorzuge maximal 3 %. Sonst hast du ein klebriges Gefühl im Gesicht. Das ist recht unangenehm.

In einem Duschgel darf es höher dosiert werden, wir sprechen hier von ungefähr 10%.

In der Kosmetik kommt oft Glycerin zum Einsatz. Mit einem Glycerit bekomme ich noch etwas Pflanzenpower in mein Produkt. Warum also, soll ich keine Glycerite herstellen und das gewöhnliche Glycerin damit ersetzen? Es macht auch unglaublich viel Spaß mit Glyceriten zu arbeiten und diese herzustellen. Die Aromen die das Glycerin aufnehmen kann sind fantastisch. Auch die Farbstoffe werden großartig damit ausgezogen. Somit wissen wir, dass wir einiges an Flavonoiden als Wirkstoffe zusetzen können.

Achtung:

Wenn du einfach ein Glycerin durch ein Glycerit mit Wasserzugabe ersetzen willst, ist das im Normalfall kein problem. Musst du aber laut deinem Rezept einen Wirkstoff im Glycerin lösen, kann das zu Problemen führen. Wenn nämlich Wasser in einem Glycerit enthalten ist, lässt sich mancher Wirkstoff nicht auflösen. Hierbei musst du unbedingt die Angaben deines Rohstoffes berücksichtigen.

Viel Spaß beim Experimentieren und Ausprobieren!

Rezepte

Kaffee-Glycerit

Glycerit aus der Echten Katzenminze

Drachenblut Glycerit

Löwenzahn Glycerit

Rezepte mit Glyceriten

Neunblättrige Zahnwurz bei Dehnungsstreifen ein Gel

Pflegende Augenpads

Mizellenwasser

Kaffee-Augen-Gel

© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
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