2. Teil und kurze Wiederholung
Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Der Begriff Taraxacum sect. Ruderalia bezieht sich auf eine spezifische Untersektion innerhalb der Gattung Taraxacum. Diese Umbenennung oder genauere Klassifizierung wurde im Rahmen der modernisierten Taxonomie vorgenommen. Genetische Studien und umfassendere botanische Forschungen unterstützten dieses Vorgehen. Beachte, dass alle Taraxacum aus der sect. Ruderalia verwendet werden können. Es ist also nicht schlimm, wenn du sie nicht genau unterscheiden kannst.
In den letzten Jahren wurde die taxonomische Systematik des Löwenzahns überarbeitet. Viele der traditionell als Taraxacum officinale bezeichneten Pflanzen wurden in verschiedene Arten und Untersektionen unterteilt. Diese Umstellung resultierte aus einer besseren Kenntnis der genetischen Vielfalt innerhalb der Artengruppe.
Es ist also keine plötzliche oder vollständige Umbenennung, sondern eine Erweiterung und Präzisierung der taxonomischen Einordnung. Daher kann man immer noch auf den klassischen Namen Taraxacum officinale stoßen. In wissenschaftlicheren oder genaueren Kontexten wird die Untersektion Ruderalia verwendet. Besonders in Büchern die nicht neu verlegt werden, werden die Namen oft nicht korrigiert.
Herkunft und Fundort
Der Löwenzahn ist in Europa, Asien und Nordamerika heimisch. Er wächst wild in Wiesen, auf Weiden, an Waldrändern, auf Brachflächen und in Gärten. Die Pflanze ist in fast allen Regionen der Welt verbreitet und gilt als eine der bekanntesten und robustesten Wildpflanzen. Sie ist nicht wählerisch und gedeiht auf nährstoffreichen Böden, findet aber auch auf kargen, sandigen und lehmigen Böden gute Lebensbedingungen. Bei mir wächst er im Garten und ich lasse ihn immer etwas vermehren, damit ich Löwenzahn zum Ernten habe.
Erdreich
Löwenzahn bevorzugt tiefgründige, lockere, nährstoffreiche Böden, kommt aber auch mit weniger idealen Bedingungen gut zurecht. Besonders gut wächst er auf kalkhaltigen Böden, die eine gute Drainage ermöglichen. Da der Löwenzahn als Pionierpflanze gilt, wächst er in vielen verschiedenen Bodentypen, auch in städtischen und industriellen Gebieten. Die Pflanze ist krautig und ausdauernd und wird so bis zu 30 cm hoch. Er ist einer der wichtigsten Bienenpflanzen im Frühjahr.
Botanik von der Blüte bis zur Wurzel
Inhaltsstoffe
- Blüten: Die Blüten enthalten Flavonoide (wie Luteolin), Saponine, Triterpene, Bitterstoffe, Mineralstoffe und ätherische Öle. Diese wirken entzündungshemmend, antioxidativ und mild harntreibend.
- Blätter: Die Blätter sind reich an Vitaminen (A, C, K) und Mineralstoffen (Kalium, Eisen, Kalzium, Magnesium, Phosphor). Sie haben eine leichte Bitterkeit und können die Verdauung anregen und die Leberfunktion unterstützen. Weiters enthalten sie Cumarine und Carotinoide. Sie weisen mehr Vitamin C auf als Orangen.
- Wurzel: Die Wurzel enthält Inulin, Bitterstoffe wie Triterpene, Taraxacinsäure, Taraxacolide, Taraxasterol, Taraxerol, Taraxol, Taraxacosid, und eine Reihe von Polysacchariden. Besonders bekannt ist die Wirkung des Inulins, das als präbiotische Faser wirkt und die Verdauung unterstützt. Die Wurzel hat auch eine leberschützende Wirkung und fördert die Ausscheidung von Giftstoffen. Es finden sich auch Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium.
Volksheilkunde und Vorteile von Löwenzahn in der Naturheilkunde
Hautwirkung von Löwenzahn ist: harntreibend, entgiftend und bitter.
Der Löwenzahn ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der Volksheilkunde. Die Pflanze wird als Heilmittel bei zahlreichen Beschwerden eingesetzt:
- Leber und Galle: Die Bitterstoffe in den Blättern und der Wurzel unterstützen die Leber und regen die Gallenproduktion an. Er wird zur Entgiftung und Reinigung des Körpers verwendet.
- Verdauungsfördernd: Löwenzahn hilft, die Verdauung zu verbessern und Völlegefühl sowie Blähungen zu lindern. Er regt die Produktion von Verdauungssäften an.
- Entwässernd: Die Pflanze hat eine milde harntreibende Wirkung. Sie wird traditionell zur Behandlung von Wassereinlagerungen verwendet. Außerdem fördert sie die Nierenfunktion.
- Blutreinigend: In der Volksmedizin wird Löwenzahn auch zur Reinigung des Blutes und zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens verwendet.
Forschung
Moderne wissenschaftliche Studien bestätigen viele der traditionellen Anwendungen des Löwenzahns. Besonders hervorzuheben ist die Forschung zu den antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Löwenzahn die Blutfettwerte senken und die Blutzuckerregulation verbessern kann. In einigen Untersuchungen nannten Forscher den Löwenzahn sogar als Kandidaten für die Behandlung von Lebererkrankungen. Sie betrachteten ihn auch als Hilfsmittel bei der Gewichtskontrolle. 2009 ergab eine Studie, dass die Blätter ein starkes Diuretikum sind, auch wenn die genaue Wirkungsweise nicht bekannt sind. (Pilotstudie von Clare et al.)
Interessant ist, dass Löwenzahn eine aquaretische Wirkung hat. Das bedeutet, dass viele Diuretika nur die Ausscheidung von Wasser und Kalium stimulieren. Da Löwenzahnblätter aber einen hohen Kaliumgehalt aufweisen, geht man von davon aus, dass kein Nettoverlust entsteht. (An overview of Therapeutic potentials of Taraxacum officinale: A traditionally valuable herb with a reach historical background)
Eine Studie von Ovadje et al. (2012) zeigte, dass Löwenzahnwurzelextrakt selektiv Apoptose (programmierter Zelltod) in chronischen myelomonozytären Leukämiezellen induziert, ohne gesunde Zellen zu schädigen. Die Apoptose wurde durch die Aktivierung von Caspase-8 ausgelöst, was auf die Beteiligung des extrinsischen apoptotischen Weges hindeutet. (ScienceDirect)
Weitere Forschungen von Ovadje et al. (2016) berichteten, dass Löwenzahnwurzelextrakt das Wachstum von Dickdarmkrebszellen in vitro hemmt und die Migration dieser Zellen reduziert. In Mausmodellen mit Xenotransplantaten zeigte der Extrakt eine hemmende Wirkung auf das Tumorwachstum, ohne toxische Nebenwirkungen zu verursachen.
Pharmakologische Studien am Menschen
Gesunden Probanden wurden 8 ml eines hydroethanolischen Extraktes aus der Löwenzahnwurzel verabreicht. Alle 5 Stunden wurden über 3 Dosen eingenommen. Nach der ersten Dosis konnte ein Anstieg der Häufigkeit des Wasserlassen nachgewiesen werden. Nach der zweiten Dosis konnte ein Anstieg des Verhältnisses der Ausscheidung (Uriniervolumen: Flüssigkeitsaufnahme) beobachtet werden. Nach der dritten Dosis wurden keine Veränderungen mehr festgestellt (Clare et al. 2009).
Wechselwirkungen von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln:
Es wurden keine klinischen Studien zu Wechselwirkungen von Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln gefunden.
Anwendungen in der Volksheilkunde:
- Tee: Ein klassisches Hausmittel ist der Löwenzahntee, der aus getrockneten Blättern und Wurzeln zubereitet wird. Er unterstützt die Verdauung und hilft bei der Entgiftung des Körpers.
- Tinktur: Aus den Blättern oder der Wurzel lässt sich eine Tinktur herstellen, die bei Leberproblemen oder Verdauungsstörungen helfen kann.
- Salat: Junge Blätter des Löwenzahns können roh in Salaten verwendet werden. Sie haben einen leicht bitteren Geschmack und eignen sich hervorragend als Detox-Salat.
- Löwenzahnhonig: Aus den Blüten lässt sich ein süßer Sirup oder „Löwenzahnhonig“ herstellen, der besonders bei Husten und Erkältungen wohltuend wirkt.
Magisches und Mystisches
Löwenzahn hat in vielen Kulturen eine symbolische Bedeutung. Er steht oft für Transformation und Neubeginn. Die Pflanze geht nach der Blüte in einen Flug durch die Luft über. Sie verbreitet sich dann auf der Erde. Die gelben Blüten gelten als Symbol für Sonne und Lebensenergie. In der europäischen Folklore glaubte man, dass Löwenzahn ein schützendes Pflanze sei, die böse Geister vertreiben könne. Verwende Löwenzahnwurzel doch einmal zum Räuchern.
Altes Volkswissen und Löwenzahn in der traditionellen Heilkunst:
In der Volksmedizin und Symbolik wurde der Löwenzahn häufig mit Fruchtbarkeit und Lebenskraft assoziiert. Dies liegt unter anderem an seiner Fähigkeit, sich schnell zu verbreiten, sowie an seiner leuchtend gelben Blüte, die an die Sonne erinnert – ein traditionelles Symbol für Vitalität und Fruchtbarkeit.
Die Pflanze wurde in vielen Kulturen als Zeichen für das Frühlingserwachen und die Wiedergeburt verehrt. Im Mittelalter war Löwenzahn bereits als Heilmittel sehr geschätzt. Er fand Anwendung bei vielen Beschwerden. Diese reichten von der Unterstützung der Verdauung bis zur Behandlung von Hauterkrankungen.
Fazit: Der Löwenzahn ist weit mehr als nur ein Unkraut. Seine Heilkräfte sind zahlreich, und er hat sowohl in der traditionellen als auch in der modernen Medizin seine Berechtigung. Der Löwenzahn hat viele Anwendungsmöglichkeiten. Diese reichen von der Küche über die Volksheilkunde bis hin zu spirituellen Bedeutungen. Er bleibt eine Pflanze. Er begleitet den Menschen seit Jahrhunderten und spielt auch heute noch in vielen Bereichen eine Rolle.
Warnhinweise: Aufgrund der choleretischen Wirkung des Löwenzahns wurde bei Personen mit Gallensteinen zur Vorsicht geraten (Mills und Bone 2005; Schutz et al. 2006; Wichtl 2004).
Aufgrund der Sesquiterpenlactonverbindungen kann es zu einer Kontaktdermatitis kommen. Dies wurde mittels Patch-Tests bestätigt. (Paulsen et al. 2008)
Zudem wird der enthaltene Milchsaft nicht von jedem vertragen. Er kann zu Erbrechen oder Übelkeit führen.
Im Tierversuch konnte bei großen Dosen eines Ethanolextrakts aus der Löwenzahnwurzel eine geringe Toxizität nachgewiesen werden. (10g/kg des getrockneten Krautes / Tita et al. 1993)
Schwangerschaft und Stillzeit: Es konnten keine Informationen darüber gefunden werden.
Rezepte mit Löwenzahn
Löwenzahnblüten Cookies
Gesunde Rezeptidee: Löwenzahn Balsamessig
und
Pflanzenportait Löwenzahn
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
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Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.



