Johanniskraut (Hypericum perforatum) als Ölauszug ist wunderbar für die Hautregeneration. Es ist auch besonders hilfreich nach einem Sonnenbad. Zudem eignet es sich zur Narbenpflege und bei Prellungen oder Verstauchungen. Ein Sonnenbrand ist zwar nicht weg nach dem Auftragen von Johanniskrautöl aber es lindert die Schmerzen sehr rasch.
Für ein Öl-Mazerat gibt es ganz verschiedene Ansätze.
Hier meine Variante:
Ich stoße die Blüten, mit dem oberen Kraut der Pflanze, mit etwas Öl im Mörser an. Beachte, dass ich Knospen, Blüten und verblühte Pflanzenteile für das Mazerat verwende. Die verblühten Pflanzenteile (grüne Früchte) benötige ich, um das wertvolle Hyperforin auszuziehen. Dieser Stoff ist entzündungshemmend. Er ist genauso wichtig wie das bekannte Hypericin. Witzigerweise sprechen viele immer nur vom antiviralen Hypericin. Sie vergessen oft, dass noch viel mehr aus der Pflanze zu holen ist. Dazu gehört das antibiotisch wirksame Hyperforin.
Dabei gibt es einiges zu wissen:
- Hypericin ist hauptsächlich in den Exkretblättern der Blüten und Knospen vorhanden. Meistens ist es zwischen 0,1 und 0,3 % vorhanden, was aus Hypericin sowie Pseudohypericin und ähnlichen weiteren Substanzen besteht. Hypericin, das unser Öl rot färbt, ist im Öl ziemlich sicher nicht mehr vorhanden. Durch die lipophilen Abbauprodukte wird das Öl rot gefärbt. Das bedeutet, dass in unserem Ölmazerat kaum noch Hypericin vorhanden ist. Anders verhält es sich mit der Tinktur. Hypericin ist wasserlöslich und ist in der Tinktur noch erhalten. Hypericin ist der Wirkstoff, der für die fototoxische Wirkung verantwortlich gemacht wird. Das bedeutet für uns, wenn wir ein Johanniskrautöl auftragen, kommt es in der Regel zu keiner Lichtempfindlichkeit. Allerdings empfiehlt Ursel Bühring trotzdem nicht direkt in die Sonne zu gehen. Weiters wird angenommen, dass es hauptsächlich zu einer Lichtempfindlichkeit bei Menschen mit starker Medikamenteneinnahme kommen kann. Auch Menschen mit sehr heller Haut könnten betroffen sein.
- Weiters sollte man wissen, dass Hyperforin öllöslich ist und mit ca. 0,6% vorliegt und es gelangt durch einen Sonnenauszug und durch einen Dunkelauszug in das Mazerat. Dies wird aber zu inaktiven Verbindungen abgebaut (Furohyperforin, Oxyhyperforin) und zwar innerhalb weniger Tage, wenn es an der Sonne steht. Bei einem Dunkelauszug kann dieser Abbauprozess verzögert werden. (Wölfle U et al. Topical Application of Planta Med 2014; 80: 109–120). Schon mein FNL-Kräuterreferenten-Ausbildner Peter Eder hat davor gewarnt, das Öl an der Sonne auszuziehen. Und Peter ist einer der besten Kräuterreferenten, den die FNL Kräuterakademie zu bieten hatte.
- Ursel Büring sagt, es wurde schon in historischen Büchern erwähnt, dass das Johanniskrautmazerat in Tontöpfen ausgezogen wurde. (Die Forschungsgruppe von Dr. Schempp / Freiburger Universitäts-Hautklinik empfiehlt die Extraktion im Dunklen vorzunehmen. Sogar im Mittelalter wurde das Johanniskrautöl dunkel ausgezogen, lt. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde.) Eigentlich wissen wir ja auch alle, dass Öl und Sonne keine gute Kombination ist. Es kommt zur Oxidation, das Öl wird viel zu rasch ranzig. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Öl in Kombination mit Kräutern widerstandsfähiger ist. Es wird nicht so schnell ranzig wie ein Öl allein in der Sonne. Die Pflanzen ergeben mit dem Öl eine erstaunlich stabile Kombination. Diese Erkenntnis hat viele Experten überrascht. Das hört sich jetzt gar nicht so schlecht an. Doch ein weiteres Problem ist das Aufheizen des Öles, welches wir nicht kontrollieren können. Das Öl kann also eine sehr hohe Temperatur aufweisen. Das wiederum würde mehr schaden als nützen.
- Schlussendlich musst du selbst beurteilen, wie du dein Öl herstellen willst. Manchmal ist man allerdings froh, wenn man mehr über die Herstellung von Öl-Mazerate erfährt.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es bedarf keine Sonne, um ein schönes Rotöl zu erhalten. Beachte aber, je nach verwendetem Öl wird das Mazerat heller oder dunkler. Klassisch wird Olivenöl verwendet, manche schwören sogar darauf. Das Öl selbst ist schon grünlich und das Rotöl wird eher dunkel. Verwendest du Sonnenblumenöl, wird das Rotöl heller bleiben. Wie du oben auf meinem Foto sehen kannst. In meiner Heilpflanzenjahresausbildung, vor einigen Jahren, habe ich gelernt, dass ein Sonnenkraut auch mit einem Sonnenöl ausgezogen werden soll. Nun, ich mache allerdings immer zwei Mazerate. Eins mache ich mit Olivenöl. Eines mache ich mit Sonnenblumenöl. Manchmal darf es auch Jojobaöl sein (streng genommen ist das ein Wachs). Ich verwende sie unterschiedlich.
1. Variante (nicht empfohlen): Wenn du das Pflanzenmaterial etwas im Mörser verrieben hast, kannst du das Glas mit Öl aufgießen. Lass das Ganze mit einem Tuch bedeckt ausziehen. Ein Tuch sollte deshalb verwendet werden, damit noch Feuchtigkeit entweichen kann, und dies dauert ein paar Tage. Damit kein Staub ins Glas gelangt, gibt man ein Tuch darüber. Nach ein paar Tagen kannst du das Glas verschließen. Dann haben sich die Kräuter meist auch abgesenkt, und nun lässt du sie für 4-6 Wochen ausziehen. Dieses Verfahren verwende ich nicht mehr, da hier eine Verkeimung sehr wahrscheinlich ist.
Wenn du ein noch stärkeres Öl möchtest, kannst du das Pflanzenmaterial nach dieser Zeit abseihen und die Prozedur wiederholen. Du verwendest dabei als Menstruum dein fertiges Rotöl und nicht nochmal das Öl deiner Wahl. Du nimmst also neue Kräuter (zerstoßen) und übergießt diese mit dem Rotöl. Beachte, dass dies dann ein sehr starkes Mazerat ergibt.
Beachte:
Botulismus ist eine Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum ausgelöst wird. Dieses Bakterium produziert unter bestimmten Bedingungen – insbesondere bei Sauerstoffmangel – eines der stärksten bekannten Nervengifte.
Dieses Bakterium entsteht bei Kaltansätzen und lässt sich normalerweise nicht verhindern. Denn es ist ein natürlicher Vorgang wenn frisches Pflanzenmaterial verwendet wird.
Fakten:
Das Bakterium Clostridium botulinum ist anaerob, d. h., es vermehrt sich dort, wo kein Sauerstoff ist – z. B. in Öl. Wenn dann noch Wasseranteile aus frischen Kräutern dazukommen, entsteht ein ideal feuchtes, sauerstoffarmes Milieu. Dies sind perfekte Bedingungen für das Bakterium. In einem solchen Fall kann sich das Gift bilden.
2. Variante (sehr empfehlensert): Das schönste Johanniskraut Öl habe ich im Magical Buttermaker heraus bekommen. Dieses habe ich 8 h bei konstanten 54°C ausgezogen. Der Nachteil ist, nicht jeder hat diese Maschine zu hause. Ich habe aber gehört, dass ein neuerer Termomix das inzwischen auch kann.
3. Variante: Ich püriere das Pflanzenmaterial mit dem Öl und ziehe es im Stövchen bei maximal 60°C aus. Das Öl muss immer gut kontrolliert werden. Wird es zu heiß, zerstört man das Hyperforin, was nicht Zielführend ist. Anschließend lass ich die Kräuter für 2-3 Tage Öl ziehen. Abfiltern fertig. Dieses Verfahren ist etwas sicherer bezüglich einer Verkeimung.
4. Variante (sehr empfehlenswert): Ich gebe einen Schuss Alkohol 80 % Korn und lasse sie für 24 h in einem Schraubglas ziehen. Am nächsten Tag gebe ich den Ansatz in mein Töpfchen und ziehe das Öl für ca. 8 h bei kontrollierter Hitze aus (maximal 60°C). Danach lass ich das Öl für 2-3 Tage ziehen, immer wieder umrühren. Abfiltern fertig. Ich arbeite eigentlich so gut wie nur mit dieser Methode die Michale Moor (1941-2009) schon angewendet hat. In der Regel bereite ich das Pflanzenmaterial so vor und ziehe es im Magical Buttermaker aus.
Es gibt noch weitere Studien zum Rotöl und seinen Flavonoiden von Isacchi und Arsic et al. Isacchi hier bei wurde nur das lipophilere Biflavon Biapigenin gefunden und Arsic fand nur Quercetin im Rotöl und nur bei frischem Pflanzenmaterial.
(researchgate.net/publication/5923850_Analysis_and_stability_of_the_constituents_of_St_John’s_wort_oils_prepared_with_different_methods 2007)
Leider wurden bei Isacchi keine Vergleiche mit frischen Blüten in der Sonne und frische Blüten in einem hellen Zimmer, bzw. als Dunkelauszug gemacht. Diese Studie kann keinen Vergleich ziehen. Bei dieser Studie bleibt unklar, ob es besser ist, das Öl dunkel oder in der Sonne zu extrahieren. Da die Studien von Prof. Dr. med. Christoph M. Schempp, Universitäts-Hautklinik, Freiburg 2014 neuer sind, beziehe ich mich auf seinen Rat und bleibe beim Dunkelauszug. Hierbei handelt es sich um die jüngsten Erkenntnisse die wir zum Johanniskraut Öl haben.
Wichtig: Das Hyperforin baut sich auch beim Lagern im Dunkeln mit der Zeit ab. Daher sollte das Öl jedes Jahr neu hergestellt werden.
Dein Rotöl kannst du nun für Salben verwenden. Du kannst es auch zur Narbenpflege nutzen oder für was auch immer. Alternativ machst du eine Schüttellotion daraus.
Beachte: Johanniskraut fördert nicht wirklich die Lichtempfindlichkeit wie oft behauptet, wenn man von einem gesunden Menschen ausgeht. Dazu gibt es inzwischen seriöse Studien zumindest betrifft dies den Ölauszug. Man würde schon höhere Dosen an Johanniskraut-Präparaten wie Pastillen, Tabletten oder Tinkturen benötigen damit man von einer Lichtempfindlichkeit sprechen könnte. Meist bezieht sich dieses Problem auf Menschen mit einer starken Medikamenteneinnahme oder Menschen die besonders hellhäutig sind. Es empfiehlt sich im Bedarfsfall Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten.
Achtung: Johanniskraut kann mit recht vielen Medikamenten Wechselwirkungen verursachen. Man sollte dies unbedingt mit dem behandelnden Arzt abklären.
Hypericin und Hyperforin in Johanniskraut
© Marlies Schneider, Dipl. Kräuterexpertin FNL
Kräuterkurse, Kräuterwanderungen Vorarlberg
FNL Bezirksleitung Bregenz
Quelle:
thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0033-1351019.pdf Planta Med 2014
researchgate.net/publication/5923850_Analysis_and_stability_of_the_constituents_of_St_John’s_wort_oils_prepared_with_different_methods 2007
chemie.de/Lexikon/Echtes_Johanniskraut
Praxis Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Bühring
Haftungsausschluss/Disclaimer
Ich muss aufgrund der Rechtslage darauf hinweisen, dass ich keine Medizinerin oder auch Kosmetikerin, Köchin bin. Alle Aussagen, die ich auf meinem Blog treffe über Wirkungsweisen/Eigenschaften von Kräutern, Rezepten, Rohstoffe basieren auf meiner persönlichen Erfahrung, Verwendung und aus der Volksheilkunde. Es handelt sich bei keinem meiner Blogbeiträge um ein Heilversprechen oder ähnliches diese basieren auf Erfahrungswerte der Volksheilkunde. Die Inhalte ersetzen keinen Gang zum Arzt. Eine Eigendiagnose kann nicht gestellt werden. Wenn du meine Rezepte nachmachst dann auf Eigenverantwortung.


